Am “Tag des Sieges” erinnert Russland an seinen Triumph im Zweiten Weltkrieg, doch der Begriff “Sieg” ruft den Misserfolg im Konflikt mit der Ukraine auf. Trotz feierlicher Zeremonien gab es für Putin nichts zu bejubeln.
Wladimir Putin führte seine Militärparade auf dem Roten Platz ohne ukrainische Störungen durch, verfehlte jedoch das Ziel, russische Macht und Unbesiegbarkeit zu demonstrieren. Die Umstände waren entwürdigend: Angesichts von Drohnenangriffen aus der Ukraine verkürzte Moskau die Parade und verzichtete auf Raketen- und Panzerparaden.
Russland musste sich vor den Feierlichkeiten zum 81. Jahrestag des Sieges über Nazideutschland als Bittsteller präsentieren, indem es eine Feuerpause während der Veranstaltung suchte. Erst nach Vermittlung der USA einigte man sich auf eine dreitägige Waffenruhe. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski verspottete Putin in einem humorvollen Dekret und teilte mit, dass Russland am Samstag um 10 Uhr die Parade abhalten dürfe; der Rote Platz wurde aus den Angriffszielen gestrichen.
Ein weiteres Zeichen für russische Verletzlichkeit war die vorübergehende Abschaltung des mobilen Internets in Moskau. Trotz Waffenruhe befürchtete der Kreml feindliche Störungen während der Feierlichkeiten. Diese Maßnahme stieß auf Unmut bei den Bürgern, da sie die Distanz zwischen Macht und Bevölkerung unterstrich.
Die Parade am Samstag verlief ohne Zwischenfälle, geleitet vom 2024 ernannten Verteidigungsminister Andrei Belousow. General Andrei Mordwitschow, ein rascher Aufsteiger in der russischen Militärhierarchie, begrüßte ihn.
Präsident Putin und seine Gäste beobachteten das Geschehen von einer Tribüne aus. Nach seiner Rede wurde auf Bildschirmen ein Video über modernste Waffensysteme gezeigt, darunter Drohnentruppen – eine neue Truppengattung Russlands.
Das Ende der Parade markierten Marschierungen verschiedener Militäreinheiten, inklusive Offiziersschüler und erstmals Nordkoreaner. Die Dauer betrug etwa ein Drittel weniger als im Vorjahr. Die Liste ausländischer Gäste war kurz: Präsidenten von Weissrussland, Kasachstan, Usbekistan und Laos sowie der König von Malaysia waren anwesend.
In seiner Rede erinnerte Putin an die Opfer des sowjetischen Volkes im Kampf gegen Nazideutschland. Er zog Parallelen zwischen dem historischen Konflikt und dem aktuellen Ukraine-Krieg, indem er die Ukraine als Nato-aufgerüstete aggressive Kraft beschrieb.
Putin bot keine Lösungen für Russlands aktuelle Lage an. Seine Armee rückt kaum noch in der Ukraine vor, während der Blutzoll steigt – seit 2022 sind laut exilrussischen Medien “Mediasona” und “Medusa” mindestens 350.000 russische Soldaten gefallen.
Am Tag des Sieges gab es wenig Grund zur Feier. Der Kreml zeigt keine Bereitschaft zum Kurswechsel, obwohl er den Konflikt schnell beenden könnte, indem er auf die nicht okkupierten Teile des Donbass verzichtet. Die vor dem Feiertag ausgerufene Kampfpause reduzierte zwar das Gefechtsniveau, Putin zeigte jedoch kein Interesse an einer Verlängerung.
Putin erwähnte den früheren deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder als möglichen Vermittler. Doch die Probleme liegen in den überhöhten Forderungen Russlands gegenüber einem unabhängigen und prowestlichen Ukraine, das sich militärisch stärkt.