Interlaken-Oberhasli, 17.04.2026 – 19:42
Die Schweiz erlebt einen Boom im Tourismussektor mit Rekordzahlen an Besuchern. Um das Zusammenleben von Einheimischen und Gästen zu verbessern, werden neue Plakate eingesetzt, die auf lokale Verhaltensregeln hinweisen.
Nachdem 2025 erneut ein Höchstwert mit 43,9 Millionen Logiernächten erreicht wurde – das dritte Rekordjahr in Folge – wächst der Druck auf belebte Regionen. Besonders im Berner Oberland wird die Situation kritisch gesehen; so reguliert Iseltwald den Andrang von Selfie-Touristen über ein Drehkreuz am Schiffssteg (Nau.ch berichtete).
Eine Umfrage durch Schweiz Tourismus ergab, dass rund ein Drittel der Bevölkerung in der Zentralschweiz und Graubünden die Touristenzahlen als zu hoch empfindet. In Bern und dem Wallis ist die Kritik moderater ausgeprägt, während die Meinungen landesweit gemischt sind: 50 Prozent sehen ausländische Gäste als respektvoll gegenüber lokalen Gepflogenheiten, während 23 Prozent das Gegenteil behaupten.
Um Konflikte zu vermeiden, startet Schweiz Tourismus eine Kampagne mit Plakaten und Videos, die auf Flügen der Swiss gezeigt werden. Ziel ist es, Gäste über typische Regeln wie das Ein- und Aussteigen im Zug oder das Verlassen markierter Wanderwege zu informieren. An stillen Orten sollen Touristen rücksichtsvoll handeln; dazu wird geraten: «Fragen Sie, bevor Sie ein Foto schiessen» – illustriert durch eine Touristin, die Einheimische fotografiert. Zudem wird aufgerufen, lokale Unternehmen zu unterstützen.
Die Kampagne startet in Interlaken BE mit weiteren Plakaten geplant für Luzern; Kostenangaben gibt es nicht. Direktor Martin Nydegger von Schweiz Tourismus räumt ein, dass viele Regeln für Einheimische selbstverständlich sind (SRF), betont jedoch die Notwendigkeit solcher Informationen für internationale Gäste und deren Dankbarkeit dafür.
Die Initiative soll das Zusammenleben verbessern und Spannungen reduzieren. Ziel ist es auch zu zeigen, dass die Bedenken der Einheimischen ernst genommen werden. Tourismus-Experte Stefan Forster von der ZHAW begrüßt die Kampagne als wichtiges Signal, betont aber, dass mehr getan werden müsse, um die Akzeptanz des Tourismus bei den lokalen Bewohnern zu stärken.
Langfristig bleibt die Diskussion über das Management von Besucherströmen offen. Neben Aufklärungskampagnen wird auch diskutiert, ob gezielte Lenkungen oder gar eine Reduktion der Touristenströme notwendig sein könnte.