Eine Pendlerin zeigt sich verärgert, als ihre Sitznachbarin die Beine so weit auseinanderspreizt, dass sie bis unter ihren eigenen Sitz reichen. Knigge-Expertin bestätigt, dass solches Verhalten nicht überraschend ist.
Pendler, die in den öffentlichen Verkehrsmitteln mehr Platz beanspruchen – sei es durch Gepäck auf dem Sitz oder breitbeinige Haltung –, sorgen stets für Unmut. Besonders im Fokus steht das “Manspreading”, bei dem Männer besonders viel Raum einnehmen.
Doch laut einer Leserin von Nau.ch ist dieses Phänomen nicht exklusiv männlich. Melanie F.* aus Bern erlebt im vollen BLS-Zug, wie eine Frau gegenüber ihre Beine weit auseinanderspreizt und den begrenzten Raum monopolisiert.
“Die junge Frau berührte trotz meiner Anstrengung, Platz zu schaffen, ständig mein Bein”, moniert die Pendlerin. Sie habe sich bereits über breitbeinige Männer geärgert, doch eine solche Situation mit einer Frau sei neu für sie.
Susanne Abplanalp, Expertin für Etikette, bestätigt, dass dieses Verhalten nicht nur bei Männern vorkommt. Sie erklärt, dass viele Menschen einfach ihren persönlichen Raum maximieren wollen und hoffen, dass niemand neben ihnen Platz nimmt.
Abplanalp berichtet von einem weiteren unangenehmen Erlebnis im ÖV: ein Junge hatte die Schuhe ausgezogen und sich halb liegend breit gemacht. Sein Großvater neben ihm nahm es mit Humor hin, was Abplanalp als Zeichen mangelnder Erziehung sieht.
Die Knigge-Expertin betont, dass im ÖV klare Regeln gelten: Jeder soll seinen Sitzplatz respektieren und Raum für andere lassen. Breitere oder höhere Personen benötigen zwar mehr Platz, aber das sollte nicht auf Kosten anderer gehen.
Laut BLS gibt es kaum Beschwerden über räumliche Übergriffe; die meisten Rückmeldungen betreffen Gepäck oder lautes Musikhören. Die Empfehlung lautet, solche Situationen mit freundlicher Ansprache zu lösen. Abplanalp rät zur direkten, aber höflichen Aufforderung und anschließendem Dank.
Humor kann ebenfalls helfen, wie Abplanalp berichtet: Ein Passagier konfrontierte einen Störenfried auf humorvolle Weise, was im ganzen Abteil Lacher auslöste und den Übeltäter beschämte.
Während die SBB Fahrgäste bittet, Sitzplätze nicht zu blockieren und droht mit Bussen, sind Strafen für laute Musik oder Videos ohne Kopfhörer in der Schweiz noch nicht üblich. Irland hingegen hat solche Verstöße seit 2025 mit Geldbußen geahndet.