Die Schweizer Musikindustrie hat in den letzten Jahrzehnten einen erheblichen Wandel durchlaufen, angefangen bei Kassetten und Schallplatten über CDs hin zu Downloads und Streaming. Trotz gestiegener Umsätze wird es für Musikerinnen und Songwriter schwieriger, finanziell Fuß zu fassen. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Branche einen Umsatz von 259 Millionen Franken mit Tonträgern, was einem Anstieg von knapp vier Prozent entspricht, so der Branchenverband Ifpi Schweiz. Diese Zahlen schließen Konzertverkäufe nicht ein.
Die Musikindustrie wächst zwar langsamer als im Vorjahr hinsichtlich verkaufter Musik, dennoch zeigt sich Lorenz Haas, Geschäftsführer von Ifpi Schweiz, zufrieden: “Als sehr widerstandsfähig hat sich die Musikbranche erwiesen und ihre Rolle als Innovationsführerin in der technologischen Entwicklung der Kulturwirtschaft verstärkt”, heißt es in der Pressemitteilung.
1995 erreichte die Schweizer Musikindustrie mit einem Umsatz von 379 Millionen Franken ihren Höhepunkt. In dieser Zeit, in der teure CDs dominierend waren, stand Bryan Adams an der Spitze der Charts. Doch dann kam ein Einbruch: Der Wechsel zu digitaler Musik und Piraterie ließ die Einnahmen stark schrumpfen, mit einem Tiefpunkt von 145 Millionen Franken im Jahr 2015. Seitdem erholte sich das Geschäft wieder, wobei die Verkäufe in den letzten zehn Jahren um fast 80 Prozent stiegen.
Heute macht Streaming mit großen Plattformen wie Spotify und Apple Music etwa 92 Prozent der Umsätze aus. Schallplatten generieren indes Einnahmen von über fünf Millionen Franken, die höchsten seit 1991 – eine Welle der Nostalgie scheint hier am Werk zu sein.
Ein neues Problem stellen KI-generierte Songs dar: Diese könnten die Werke existierender Musiker kopieren. Anstatt sich zu widersetzen, sucht die Branche nach Lösungen, um künstlerische Rechte zu schützen und Entschädigungen sicherzustellen.
Die Nutzung von KI in der Musik wird jedoch auch als Chance betrachtet: “In den letzten zwölf Monaten haben viele Labels Lizenzverträge für die Nutzung durch KI abgeschlossen”, berichtet Ifpi. Damit lassen sich neue Einkommensquellen erschließen und Missbrauch verhindern. Eine rechtliche Neuerung ist in Arbeit, um insbesondere bekannten Künstlern zu helfen, deren Stimmen oder Werke kopiert werden könnten. Die Branche arbeitet an klareren Regeln.
Artikel vom 27. März 2026, veröffentlicht am Vormittag um 08:00 Uhr.