Jährlich versorgt die Grimselregion mehrere Hunderttausende Menschen mit Strom. Die Kraftwerke Oberhasli (KWO), im Besitz der vier Energieversorger BKW, IWB, EWB und EWZ, sind für diese Versorgung zuständig. Die BKW hält 50% der Anteile, während die restlichen 50% sich auf die städtischen Energiewerke aus Basel, Bern und Zürich verteilen.
Doch der begehrte Strom aus dem Berner Oberland zieht nun auch andere Energiefirmen an. Ein Konsortium von etwa 30 mittelgroßen und kleinen bernischen Energieversorgern hat sich gebildet, um 5 bis 10% der Anteile zu erwerben. Zu den Teilnehmenden zählen beispielsweise die Energie Thun AG, Industriellen Betriebe Interlaken und die Jungfraubahn AG. Letztere begründen ihre Beteiligung mit ihrem eigenen Laufwasserkraftwerk.
Die Dringlichkeit der Bemühungen ist auf eine Konzessionsverlängerung im Grimselgebiet zurückzuführen, die bis 2041 läuft. Danach muss festgelegt werden, wie die Eigentumsverhältnisse ab 2042 gestaltet sein sollen. Das gibt einen seltenen Anlass zur Veränderung. “Dies ist eine einmalige Chance”, betont Helmut Perreten von den Industriellen Betriebe Interlaken.
In Bern wird derzeit diskutiert, ob ein Heimfall der Wasserkraftwerke an die Standortgemeinde oder den Kanton stattfinden soll. Das Kantonsparlament hat jedoch im letzten Jahr eine “Berner Lösung” verabschiedet, die mehr Anteile in bernischem Besitz vorsieht. Die genauen Bedingungen müssen nun noch von der Regierung festgelegt werden.
Die bisherigen Aktionäre sind besorgt über mögliche Verzögerungen durch neue Partner und deren finanzielle Stärke, um die geplanten Ausbauprojekte zu finanzieren. Helmut Perreten sieht jedoch keine Probleme: “Wir stellen uns so auf, dass wir schnell Entscheidungen treffen können”.
Die vier bisherigen Aktionäre halten sich zurück mit öffentlichen Kommentaren, da sie von Verlusten betroffen sein könnten. Besonders für IWB und EWZ könnte die Entwicklung in Bern ein Vorbild für andere Kantone darstellen, was zu weiteren Verlusten führen würde.
Die Entscheidung über den künftigen Anteilseigner bei der KWO beeinflusst auch Investitionen in neue Projekte wie den Stausee Trift und die Erhöhung des Grimselsees, deren Kosten sich auf zwei Milliarden Franken belaufen.