Jens Fehlinger bereitet sich mit Swiss darauf vor, eine mögliche Versorgungskrise beim Kerosin zu bewältigen. Er erweitert zudem das Sparprogramm um administrative Bereiche, wobei 10 Prozent der administrativen Mitarbeiter betroffen sind.
Auf die Frage nach der Buchungssicherheit von Flügen antwortet Fehlinger: “Ja – basierend auf unseren aktuellen Informationen. Wir können den Treibstoffbedarf sechs Wochen im Voraus zuverlässig einschätzen. Sollte eine Knappheit auftreten, wäre dies vermutlich in Afrika oder Asien sichtbar, was uns derzeit unbekannt ist. Das bietet einen gewissen Planungshorizont für Zürich. Doch ein vollumfängliches Versprechen kann in dieser unsicheren Weltlage niemand geben.” Fehlinger rät Kunden, die im September nach Griechenland fliegen wollen, ihre Tickets sofort zu buchen: “Der Preis steht heute fest, und wir haben Maßnahmen vorbereitet, um auch bei Engpässen den Betrieb aufrechtzuerhalten.”
Die Swiss arbeitet intensiv an der Sicherstellung des Sommerflugplans bis Oktober. Neben der Absicherung von 80 Prozent des Kerosinpreises für das laufende Jahr sind Gespräche mit Ölkonzernen und Raffinerien im Gange, um die Treibstoffversorgung zu gewährleisten. Eine mögliche Strategie ist das Tankering – also das volle Betanken in Regionen mit reichlich Kerosin, aktuell jedoch regulatorisch eingeschränkt.
Fehlinger sieht Zwischenstopps auf gut versorgten Flughäfen als eine Option, die weniger problematisch für Kunden ist als gestrichene Flüge. Die stark gestiegenen Kerosinpreise beeinflussen den Ticketpreis bisher nur zu 20 Prozent, da viele Airlines ihre Preise durch Hedging absichern. Dennoch könnten anhaltend hohe Ölpreise die Ticketkosten erhöhen.
Die Airline verzeichnet eine robuste Nachfrage trotz der Herausforderungen steigender Kerosin-, Wartungs- und Personalkosten sowie Umweltabgaben. Die Entscheidung, das Duty-free-Angebot an Bord abzuschaffen und einen neuen Tarif ohne Handgepäck einzuführen, basiert auf veränderten Kaufgewohnheiten der Kunden.
Fehlinger betont, dass die Kostenreduktion von 10 Prozent effizient durchgeführt wird, um Investitionen zu ermöglichen und den Service zu erhalten. Die Swiss erreichte ihre Zielvorgaben für freiwillige Kündigungen bei Kabinenmitarbeitern und setzt nun ähnliche Maßnahmen im Bodenpersonal ein. Trotz Profitabilität in der Gruppe sind Sparmaßnahmen notwendig, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die Integration der Swiss in die Lufthansa-Gruppe schreitet voran, mit klaren Vorteilen für Passagiere durch vereinfachte IT-Systeme und abgestimmte Flugpläne. Die Planung des Streckennetzes erfolgt zukünftig aus Frankfurt heraus, ohne dass die Swiss ihre Entscheidungskompetenz verliert.
Fehlinger betont, dass die Investitionen in neue Flugzeuge und die Expansion der Swiss ein Zeichen für das Vertrauen des Mutterkonzerns sind. Obwohl andere Airlines profitabler waren, sieht er keine Gefahr, abgehängt zu werden. Die Konfliktlösungen bei den Pilotenverhandlungen sollen zu einer effizienteren Einsatzplanung führen, um die Flugkapazität zu erhöhen.
Mit der Erhöhung der Piloteneinstellungen auf 110 pro Jahr strebt Swiss ab 2027 ein Wachstum an, obwohl Herausforderungen in der Ausbildung und Einsätzeffizienz bestehen.