In der kleinen Werkstatt von Mario Scarpatetti dreht sich alles um mechanische Uhren und unermüdliche Geduld. Hier, im Haus seiner Urgroßeltern, das er mit eigenen Mitteln renovierte, stehen antike Möbel, schwarzweiße Familienfotos und alte Wanduhren. Unter diesen befindet sich ein im 17. Jahrhundert handgeschmiedetes Turmwerk, das immer noch funktioniert – als ob die Zeit hier nie stillgestanden hätte.
Scarpatetti war schon früh von der Uhrmacherei fasziniert. Als Kind sammelte er alte Wecker und versuchte, sie auseinanderzunehmen und wieder zusammenzubauen. “Die meisten sind dabei kaputtgegangen”, erinnert sich der 34-jährige. Doch seinen Traum, Uhrmacher zu werden, gab er nicht auf: “Wenn ich groß bin, werde ich Uhrmacher. Das war immer klar für mich.” Den Weg dorthin gestaltete es als Herausforderung, da Lehrstellen für Uhrmacher in der Schweiz fast ausschließlich zwischen Genf und Schaffhausen zu finden sind.
Als Scarpatetti seine Werkstatt im Bergdorf Parsonz eröffnete, war Skepsis an der Tagesordnung. Viele Dorfbewohner zweifelten: “Das wird schon nicht klappen”, so seine Erinnerung. Doch die finanzielle Unterstützung durch die Schweizer Berghilfe half ihm, die benötigte Technik und Mittel zu beschaffen.
In der heutigen Zeit machen Handwerksberufe laut Bundesamt für Statistik nur noch rund zehn Prozent der Erwerbstätigen aus – 1970 waren es noch 25 Prozent. Dennoch hat Scarpatetti ein florierendes Geschäft aufgebaut, das sowohl Sammler als auch Menschen mit geerbten Uhren anzieht.
Obwohl Handwerksberufe insgesamt schrumpfen, ist der Fachkräftemangel in technischen und handwerklichen Berufen hoch. Besonders auffällig ist dies bei Präzisionshandwerkern wie Uhrmachern. In der Zentralschweiz zeigt sich laut dem “Fachkräftemangel-Index 2025” eine stärkere Betroffenheit als auf nationaler Ebene.
Die abgelegene Lage von Scarpatettis Werkstatt hindert das Geschäft nicht. Viele Kunden reisen extra an, und er selbst besucht Kundschaft im ganzen Land für größere Projekte. Der Alltag in der Werkstatt erfordert absolute Konzentration: Verliert er ein winziges Teilchen, bleibt oft nur die Suche auf dem Boden.
Neben Reparaturen entwirft Scarpatetti auch eigene Uhren in limitierter Auflage – eines seiner Modelle gibt es lediglich elfmal und kostet 19’500 Franken. Was einst mit alten Weckern begann, hat nun eine unerwartete Zukunft im Dorf.
Die Sendung “mitenand” auf SRF 1 bietet Einblicke in Projekte jenseits der Schlagzeilen und stellt Menschen vor, die soziale oder ökologische Herausforderungen angehen. Dabei steht das soziale Engagement in der Schweiz und weltweit im Mittelpunkt.