Mihajlo Mrakic sieht sich nicht gezwungen, aufgrund seiner bosnischen Wurzeln eine «sinnlose Migrationspolitik» zu unterstützen. Als heute 25-Jähriger eingebürgert, ist er als Vizepräsident der SVP Schmerikon ein Befürworter der Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz». Diese sieht vor, die Zuwanderung so zu steuern, dass sie den bereits hier lebenden Menschen dient. Mrakic kritisiert: «Wenn wir jedes Jahr eine Stadt St. Gallen anwachsen müssen, dann ist das nicht nachhaltig.»
Demgegenüber steht Aina Aliotta aus Zürich, deren Großeltern aus Italien und Spanien in die Schweiz einwanderten. Sie ärgert sich über wiederkehrende Diskussionen: «Diese Argumente sind seit den 70ern bekannt.» Ihre Eltern ließen sich während der Schwarzenbach-Initiative einbürgern, welche damals eine Begrenzung aufgrund von ‹Überfremdung› vorsah. Die aktuelle SVP-Initiative will keine Ausländer vertreiben, sondern die Einwanderung begrenzen: Bis 2050 soll die Bevölkerung nicht über zehn Millionen steigen.
Politologe Michael Hermann vermutet Skepsis gegenüber der Initiative unter Menschen mit Migrationshintergrund. Viele aus Südeuropa tendieren zu linker Politik, während jene vom Westbalkan oft konservativere Ansichten teilen und sich der SVP annähern.
Mihajlo Mrakic empfindet es als störend, dass seine politische Meinung immer wieder in Zusammenhang mit seinem Migrationshintergrund gebracht wird. «Man nimmt mir ab, dass ich unabhängige Gedanken entwickeln kann», sagt er und betont die prägende Kraft seiner Sozialisierung in der Schweiz.
Aina Aliotta hingegen wurde durch häufige Diskussionen über Migrationspolitik politisiert. In ihrer Familie wurde Solidarität als zentraler Wert vermittelt: «Das ist sehr wichtig für migrantische Gemeinschaften», betont sie.