Das Regime in Teheran sieht sich im Kräftemessen mit Washington aus einer starken Position heraus und hofft, das Patt über einen längeren Zeitraum aushalten zu können. Wie es weitergeht, ist unklar.
Für das iranische Aussenministerium stellt Washington die grösste Bedrohung für Weltfrieden dar. Esmaeil Baghaei, Sprecher des Ministeriums, bezeichnete am Montag das iranische Angebot als «grosszügig und verantwortungsvoll», während er die amerikanischen Forderungen als unverantwortlich kritisierte.
Dagegen hatte Präsident Donald Trump die Reaktion Teherans auf seinen 14-Punkte-Plan für ein Kriegsende als «völlig inakzeptabel» bezeichnet und Iran vorgeworfen, mit den USA zu spielen und über das «wieder großartige» Land der Vereinigten Staaten zu lachen.
Trump fordert eine erhebliche Einschränkung des iranischen Atomprogramms. Während Teheran offenbar zur Diskussion von Urananreicherungsfragen bereit ist, bleibt es in wesentlichen Punkten unnachgiebig, überzeugt davon, den Konflikt nicht verloren zu haben.
Für das iranische Regime stellt bereits der Überlebenskampf gegen den amerikanisch-israelischen Angriff einen Erfolg dar. Daher gehen sie nur teilweise auf die Forderungen Washingtons ein. Laut dem «Wall Street Journal» lehnte Teheran ab, vor Verhandlungsbeginn Konzessionen zu machen oder das vorhandene hochangereicherte Uran von 400 Kilogramm abzugeben.
Ein Moratorium für weitere Anreicherung wird nicht prinzipiell ausgeschlossen, jedoch bestehen die Iraner auf einer kürzeren Laufzeit als die von den USA geforderten zwanzig Jahre. Auch sind sie nicht bereit, ihre Nuklearanlagen zu zerstören.
Das Regime in Teheran glaubt weiterhin, eine höhere Schmerztoleranz als Donald Trump aufzubringen, der sich bereits mit den Midterm-Wahlen im Herbst beschäftigt. Die amerikanische Blockade iranischer Häfen übt Druck aus, wobei die Inflation im April zwischen 67 und 73,5 Prozent höher lag als im Vorjahr. Dennoch sieht der Historiker Rouzbeh Parsi von der Universität Lund Iran nicht vor dem Kollaps.
Parsi spekuliert, dass das Regime bei anhaltender Blockade Subventionen erhöhen oder Lebensmittel rationieren könnte, ähnlich wie während des Irak-Kriegs (1980-1988). Die Regierung würde die Notlage als temporär darstellen. Existenzbedrohende Mängel seien derzeit nicht erkennbar.
Wie der Schwebezustand zwischen Krieg und Frieden gelöst werden kann, bleibt offen. Trump drohte mit erneuten Bombardements bei Ablehnung des amerikanischen Vorschlags, während er den Krieg formal als beendet betrachtet, um keine Zustimmung des Kongresses einzuholen.
Beobachter erwarten nicht, dass weitere Angriffe Teherans Haltung ändern. Zerstörungen der iranischen Industrie und Infrastruktur könnten zu Engpässen führen, doch das Regime könnte noch kompromissloser reagieren. Die Golfstaaten, besonders die Vereinigten Arabischen Emirate, dürften Hauptziele iranischer Vergeltungsaktionen werden.
Iran könnte die Energieinfrastruktur am Golf oder durch Huthis in Jemen die Meerenge von Bab al-Mandab angreifen und somit die weltweiten Energiepreise weiter steigen lassen. Innerhalb des Regimes ist die Situation unklar. Parsi vermutet, dass einige Mitglieder einen erneuten Konflikt bevorzugen könnten. Sie sehen im aktuellen Status quo keine Friedensdividende durch Sanktionsaufhebung und keinen klaren Kriegsverlauf.
Trump scheint dennoch nicht bereit für eine Rückkehr zum Krieg, während Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gegenüber CBS betonte, dass der Konflikt mit Iran noch andauert. Mehr als einen Monat nach Waffenruhe ist unklar, wie sich die Krise lösen lässt.