Die größte Walliser Kellerei, Rouvinez, sieht sich von den Behörden mit dem Vorwurf konfrontiert, bei der Weinproduktion übermäßig Zucker verwendet zu haben. Das Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) wollte diese Information veröffentlichen, als das Unternehmen am Montag eine dringende Medienkonferenz abhielt.
Die Vorfälle gehen auf das Jahr 2023 zurück. Nach dem Eingreifen des Walliser Kantonslabors waren die meisten der betroffenen Flaschen – etwa 55’000 Stück – bereits verkauft, als der Kanton weitere 6000 Flaschen vernichten liess, um ein Risiko der Verbrauchertäuschung zu vermeiden.
Am Montag versicherten die Familienmitglieder von Rouvinez, sie hätten nach bestem Wissen gehandelt und ihre Interpretation der Herkunftsbezeichnung (Appellation d’Origine Contrôlée, AOC) sei aus gutem Glauben erfolgt. Trotz ihres Selbstverständnisses haben die Geschwister sich dem Willen der Behörden gefügt und auf einen Rekurs verzichtet, um eine öffentliche Debatte zu vermeiden, die ihren Ruf beschädigen hätte können.
Die Pressekonferenz nutzte das Unternehmen auch, um Vorwürfe als Lügen zu bezeichnen und eine Instrumentalisierung anzuprangern. Diese Anschuldigungen stammen von Önologe Xavier Bagnoud, der Rouvinez vorwirft, fast alle Weine mit einem verbotenen Produkt zu versetzen.
“Wir stehen am Vorabend neuer Prozesse im Zusammenhang mit betrügerischen Praktiken in der Schweizer Weinindustrie”, erklärte Philippe Rouvinez. “Es stellt sich die Frage, ob einige Akteure nicht einfach Gegenfeuer legen wollen, um den Eindruck zu erwecken, dass solche Praktiken weit verbreitet sind und möglicherweise nicht so schlimm sind”.
Diese künftigen Prozesse betreffen einen Bekannten von Dominique Giroud, der beim Bundesgericht gegen seine Verurteilung zu 45 Monaten Freiheitsstrafe Berufung einlegte. Ihm wird vorgeworfen, spanischen Wein mit Walliser Mischwein verfälscht zu haben.
RTS bat Dominique Giroud um eine Stellungnahme, die er jedoch ablehnte. Sein Anwalt, Laurent Fischer, wies den Vorwurf eines Feldzugs gegen die Familie Rouvinez zurück.