Kevin Warsh hat seine früheren Warnungen vor Inflation zurückgenommen, um als neuer Chef der amerikanischen Notenbank Fed wählbar zu werden. Dies macht ihn zum Unberechenbaren im Kontext der Weltwirtschaft.
Donald Trump hat sich von Warshs Versprechen eines “Regime Change” überzeugen lassen und hofft auf eine Senkung der Leitzinsen, um das Wachstum anzukurbeln. Die Hartnäckigkeit von Trump in dieser Frage zeigte sich bei Jerome Powell, dem abtretenden Fed-Chef, den er wegen seiner Haltung zur Unabhängigkeit der Notenbank mit Beleidigungen überschüttete.
Kevin Warsh könnte nun eine bessere Verbindung zu Trump haben, da seine Ehefrau Jane Lauder die Tochter des Milliardärs Ronald Lauder ist. Dieser zählt zu den engsten Freunden von Trump und soll ihn sogar zur Idee einer Übernahme Grönlands angestiftet haben.
Warsh hat sich als überzeugter Anhänger Trumps hervorgetan, indem er die Präsidentschaftswahl 2020 zugunsten Trumps beurteilte und Jerome Powell für seine Geldpolitik kritisierte. Er schrieb in einem Artikel im “Wall Street Journal”, dass die Amerikaner von höheren Einkommen profitieren würden, wenn die Fed ihre Fehler korrigiere.
Warsh argumentiert, dass dank der künstlichen Intelligenz (KI) ein disruptiver Wirtschaftsmoment eingetreten sei. Die KI ermögliche Produktivitätssteigerungen, die den Preis vieler Güter senken könnten. Bei einer Erhöhung des jährlichen Produktivitätswachstums um einen Prozentpunkt würde sich der Lebensstandard in nur einer Generation verdoppeln.
Dennoch sieht Warsh die eigene Notenbank als Hindernis für Fortschritt an und kritisiert, dass sie während schneller globaler Veränderungen träge bleibe. Er fordert neue Modelle zur Erfassung struktureller Preisrückgänge aufgrund der Produktivitätssteigerung.
Adriel Jost vom Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik sieht ebenfalls ein Umdenken in der Geldpolitik als notwendig an. Die KI habe Preissenkungen bei Dienstleistungen bewirkt, die bisher nicht in den Inflationszahlen auftauchen.
Die Zeitschrift “Economist” hingegen sieht Warshs Forderung nach einem “Regime Change” als übertrieben und seine Kritik an der Fed als vage. Der designierte Fed-Chef habe opportunistische Motive, indem er von einem Inflations-Falken zu einem Befürworter von Zinssenkungen wechselte.
Früher galt Warsh als geldpolitischer Falke und setzte sich für einen restriktiven Kurs ein. Er verließ das Fed im Jahr 2011 aus Protest gegen den Aufkauf von Staatsanleihen, die seiner Meinung nach Inflation anheizen würden.
Trotz seines Ausscheidens hat Warsh es nun an die Spitze geschafft. Seine formelle Bestätigung durch den Senat steht noch bevor. Powell bleibt bis 2028 als einfaches Mitglied im Gouverneursrat, was eine Lockernung der Geldpolitik erschwert.
Zudem stellen externe Faktoren wie der Iran-Krieg die Pläne von Warsh in Frage, da Benzinpreise und Inflation stark gestiegen sind. Trumps Politik mit Zöllen und Kriegen fördert Inflation weiter, was Jost als verantwortungslos für eine Senkung der Zinsen betrachtet.
Darüber hinaus schürt Trump die Inflation durch massive Staatsschulden, verstärkt durch Steuersenkungen. Obwohl Warsh diese Steuersenkungen gelobt hat, bleibt ungewiss, wie viel seine früheren Tugenden der Unabhängigkeit von politischen Einflüssen nun wert sind.