Die Episode «Innere Angelegenheiten» des Schwarzwald-«Tatorts» spannt den Bogen vom Mord bis zur Aufklärung in realen anderthalb Stunden – ein Konzept, das Tempo verspricht, doch als dialogintensives Sozialdrama endet. Die Handlung entfaltet sich präzise im Zeitrahmen des Hauptabendprogramms von ARD und SRF1, obwohl die Figuren dieses Detail nicht kennen. In Freiburg, nicht wie üblich auf dem Land, sondern in der Stadt, geraten zwei Drogenhändler in einem Klub aneinander. Nach einer Schlägerei liegt ein Rocker tot im Separee. Der dringend tatverdächtige Ramin Taremi, eine prominente iranische Figur der Szene, wird von Kommissar Berger verhört, während Kollegin Tobler versucht, die Situation zu beruhigen. Die Rockergang droht mit brutaler Vergeltung und Taremis Bruder ist in einer gefährlichen Lage. Unterdessen diskutieren sechs Bereitschaftspolizisten, ebenfalls am Tatort anwesend gewesen, ihre Berichterstattungsstrategie unter einer Brücke – eine Debatte, die Regisseur Robert Thalheim als neonbeleuchtetes Kammerspiel inszeniert. Während Berger und Tobler (gespielt von Hans-Jochen Wagner und Eva Löbau) der Sache nachgehen, sind bei den Polizisten Motive gemischt. Der Kohortenchef Wolle will seine Karriere nicht vor dem Ruhestand ruiniert sehen. Ein junger Polizist aus Iran möchte seiner Mutter keine Enttäuschungen bereiten. Pia und Jakub suchen die Wahrheit, was sie als Weicheier brandmarkt. Die schlichte Handlung (Drehbuch: Bernd Lange) führt dazu, dass Taremis Verlobte, Augenzeugin der Schlägerei, den Fall vor Ort noch einmal rekonstruiert. Der Film thematisiert auch die Fehleranfälligkeit von Polizisten und zeigt, dass nicht alle Rassisten sind. Die Sozialkritik des «Tatort» wird deutlich: Lebenswende ist möglich, selbst für diejenigen auf der schiefe Bahn. Rocker bleiben hingegen in ihrer Welt gefangen – ewig Nietenjeansjacken tragend und ihre Seelen mit dem Lärm starker Motoren übertönend. Der Schwarzwald-«Tatort» «Innere Angelegenheiten» wird am 19. April um 20.05 Uhr auf SRF1 und um 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt.