Delfina Gonzalez aus Spanien (geboren 1959) erinnert sich: “Mit 16 Jahren bewarb ich mich für eine Stelle im Gastgewerbe. Ich reiste mit dem Zug von Gijon nach Genf, wo wir eine strenge Grenzkontrolle durchlaufen mussten. Unsere Kleidung wurde entkleidet und wir wurden ähnlich wie Vieh kontrolliert – ein peinliches Erlebnis für viele Frauen. Die Kontrollen zielten darauf ab, schwangere Frauen zu identifizieren, die nicht arbeiten durften.” Sonja Montanini aus Slowenien (geboren 1946) beschreibt ihre Unterkunft: “Die Personalzimmer befanden sich im obersten Stock des Hotels. Sie waren einfach, aber die Aussicht und das gesellige Umfeld nach der Arbeit machten vieles wieder wett.” Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Zehntausende Saisonniers aus Italien, Spanien, Portugal und später vom Balkan in die Schweiz. Olga Gomez, geboren 1960 in Spanien, erzählt: “Ich heiratete im zweiten Jahr hier, meldete mich aber nicht als verheiratet, um keine Kinder angeben zu müssen – das hätte meine Arbeitsmöglichkeiten beeinträchtigt.” Die Ausstellung in der Zürcher Photobastei beleuchtet die Geschichten dieser Frauen. Delfina Gonzalez betont: “Ich hatte nach der Schule nur wenige Chancen und sah in der Schweiz neue Möglichkeiten für Bildung und Arbeit.” Nemi Cerrigone-Bertolai aus Italien (geboren 1939) berichtet, wie sie kurz nach ihrer Hochzeit im August 1963 zur Arbeit kam. Olinda Fazendeiro aus Portugal (geboren 1955) erinnert sich: “Wir wurden ermutigt, den Gästen Gesellschaft zu leisten und so die Einnahmen zu steigern – eine Aufgabe, bei der ich meine Grenzen setzte.” Nemi Cerrigone-Bertolai beschreibt ihre Arbeitserfahrung in der Textilindustrie: “Ich erlernte schnell die Overlock-Nähmaschine. Wir mussten uns an strenge Wohn- und Arbeitsregeln halten.” Das Saisonnier-Statut, das bis 2002 bestand, wurde in den 1930er Jahren entwickelt, um temporäre Arbeitnehmer zu reglementieren. Zwischen 1949 und 2001 wurden über sieben Millionen Genehmigungen ausgestellt, davon ein Siebtel an Frauen. Sonja Montanini erinnert sich: “Ohne dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung hatten wir keine langfristigen Pläne.” Die Lohnunterschiede zwischen Saisonniers und Schweizer Arbeitnehmern waren signifikant, und die Wohnverhältnisse oft prekär. Delfina Gonzalez hebt hervor: “In der Schweiz fühlte ich mich frei von der repressiven Gesellschaft, in der ich aufwuchs.” Das Saisonnier-Statut verbot den Familiennachzug. Nemi Cerrigone-Bertolai beschreibt ihre schwierige Entscheidung bei einer Schwangerschaft: “Ich musste wählen zwischen meiner Tochter und dem Verbleib in der Schweiz.” Olga Esperante aus Spanien (geboren 1960) schrieb an ihren Sohn über die Schmerzen, ihn zurücklassen zu müssen. Nemi Cerrigone-Bertolai ergänzt: “Ich arbeitete hart, um nicht an meine Trennung von Monica denken zu müssen.” Gemäß Toni Ricciardi wurden zwischen 1949 und 1975 viele Gastarbeiterkinder getrennt. Diese Kinder lebten oft versteckt in der Schweiz. Die Saisonarbeitskräfte begannen, die Grenzen des Systems auszutesten: Sie blieben länger als erlaubt und arbeiteten ohne formelle Beschränkungen, was das System immer weiter belastete.