Die Ausstellung «Bauen für die Macht» im Pavillon Le Corbusier in Zürich beleuchtet die komplizierte Beziehung zwischen Architektur und politischer Macht. Diese zeitnahe Schau zeigt, dass Architekten nicht immer unbescholten sind: Oft beeinflussen sie Natur, Gesellschaft und Individuen negativ. Viele haben sich den Machthabenden angeschlossen, um ihre eigenen sowie die ehrgeizigen Pläne der Regierenden in Stein zu meißeln.
Ein Beispiel hierfür ist Le Corbusier, geboren als Charles-Édouard Jeanneret-Gris. Sein architektonisches Schaffen war von monumentalen Entwürfen geprägt, die ganze Stadtteile niederreißen sollten, um seiner Vision einer perfekten Lösung für urbane Probleme gerecht zu werden. In seinem 1922 konzipierten Plan der «Ville contemporaine» wollte er einen großen Teil von Paris einem Projekt mit Glasrüstungen, riesigen Parks und getrennten Verkehrswegen opfern. Christian Brändle, Direktor des Zürcher Museums für Gestaltung, betont: «Nach dem Ersten Weltkrieg und der Spanischen Grippe suchte Le Corbusier Heilung in umfassender Planung.»
Die Ausstellung im Pavillon am Zürichhorn, kuratiert von Brändle, widmet sich den kontroversen Aspekten des Architekten. In jüngster Zeit wurde Le Corbusier als Faschist und Nazi kritisiert, was ihm sogar die Benennung eines Platzes in Zürich verwehrte. Die Schau ermöglicht nun einen differenzierteren Blick auf sein Wirken: Von seinen Anfängen in Paris über das Scheitern bei Mussolini bis hin zu Projekten für Stalin und das Vichy-Regime, entwickelte sich Le Corbusiers Stil schließlich in eine menschlichere Richtung, die im Zürcher Pavillon sichtbar wird.
Brändle fasst zusammen: «Le Corbusier war weder Nazi noch Faschist. Er war jedoch ein gnadenloser Opportunist.» Er lehnte Nationalsozialisten ab und kritisierte Hitler als «scheusslichen Simplen, mächtig durch seine Einfachheit». Auch Speer fand keine Gnade bei ihm wegen dessen pomphaften Stils, der Le Corbusiers Vorstellung von funktionaler Reinheit widersprach.
In einer Zeit, in der weltweit Politiker und Stararchitekten prunkvolle Projekte fördern, zeigt die Ausstellung, wie Architekten besonders gefährdet sind, sich mit politischer Macht zu verbünden. Bis zum 29. November 2026 können Besucher im Pavillon Le Corbusier diese kritische Auseinandersetzung erleben.