Die jüngsten militärischen Auseinandersetzungen zwischen Iran und den Golfstaaten beleben alte Vorurteile, die in der Geschichte verwurzelt sind. Arabische Kommentatoren greifen auf eine Sprache zurück, die ihre Ursprünge im 8. Jahrhundert hat, um Perser zu beschimpfen: Sie werden als ‘knochige Grobiane und schwächliche Schafe’ bezeichnet, denen Bündnisse, Ehre und Treue fremd seien.
Die persische Seite reagiert ebenso scharf. Eine berühmte, dem letzten Sassanidenkönig Yazdegerd III. zugeschriebene Schrift beschuldigt die Araber des Eidechsenfressens und der Bestialität, was den tief sitzenden Hass verdeutlicht.
Diese historischen Beschimpfungen spiegeln sich in modernen literarischen Werken wider. Autoren wie Sadegh Hedayat und Sadeq Chubak verklären die vorislamische persische Zivilisation als goldenes Zeitalter und sehen die arabische Eroberung als Vernichtung einer überlegenen Kultur.
Als die Araber im 7. Jahrhundert Persien eroberten, war es die persische Elite, die das neue islamische Reich führte. Doch trotz ihres Beitrags wurden sie als ‘Mawālī’ diskriminiert und rangierten in der sozialen Hierarchie niedrig.
In der literarischen Auseinandersetzung taucht häufig das Bild des arabischen Barbaren auf, während die Perser als kultivierte Hofleute dargestellt werden. Dieser kulturelle Machtkampf wird in der islamischen Geschichtsschreibung als ‘Schuʿūbiyya’ bezeichnet.
Arabische Gelehrte entgegneten mit Werken, die Perser zu dekadenten Höflingen machten. Der Begriff ‘al-ʿajam’, ursprünglich eine linguistische Klassifizierung, entwickelte sich zur kulturellen Hierarchie: Arabisch als Normsprache und Persisch als Barbarismus.
Während die arabische Expansion oft zur Assimilation der einheimischen Bevölkerung führte, blieb Persien seine eigene Sprache bewahren. Das ‘Shāhnāme’ von Ferdowsi ist ein Meilenstein in dieser sprachlichen Bewahrung und bleibt bis heute in Iran identitätsstiftend.
Moderne Autoren wie Youssef Azizi sehen im ‘Shāhnāme’ die Wurzeln einer rassistischen Tradition, die den arabischen Eroberer als barbarisch darstellt. In aktuellen religiösen und journalistischen Texten aus dem Nahen Osten spiegelt sich dieses alte Vokabular wider.
Der kuwaitische Prediger Mohammed al-ʿAwādi sieht im iranischen Konflikt einen Ausdruck schuʿūbitischer Motive. Der jemenitische Autor Mohammed Jumeih beschreibt eine moderne ‘schuʿūbītisch-östliche’ Rhetorik, die Araber auf alten persischen Vorurteilen basiert.
Der ägyptische Historiker Mohammed Ilhami betrachtet den gegenwärtigen Konflikt als Fortsetzung eines langen persischen Grolls. Diese kulturelle Auseinandersetzung findet paradoxerweise innerhalb einer gemeinsamen religiösen Matrix statt, in der die Frage nach dem ‘wahren Islam’ im Mittelpunkt steht: Wer prägte ihn mehr – der arabische Wüstenkrieger oder der persische Intellektuelle?
In Europa wird das Konzept der kulturellen Assimilation als rassistisch angesehen. Im arabischen Raum jedoch bleibt eine vergleichbare Selbstkritik bezüglich der islamischen Expansion ein Randphänomen. Die Bezeichnung ‘islamische arabische Zivilisation’ verschleiert den bedeutenden Beitrag nicht-arabischer Völker, die unter arabischer Vorherrschaft oft zweitklassig waren.