Die Polizei sieht die häusliche Gewalt als eines ihrer gravierendsten Probleme an. Im Kanton Zürich sind sie etwa 22 Mal täglich zu Einsätzen wegen dieser Delikte ausgerückt, und auch auf nationaler Ebene ist ein stetiger Anstieg der Fälle festzustellen. Eine Umfrage des GFS-Instituts zeigte bereits vor sieben Jahren, dass jede fünfte Frau sexualisierte oder häusliche Gewalt erlebt hat; dennoch haben lediglich die Hälfte davon mit anderen darüber gesprochen.
Die Nachfrage nach dem Dienst war von Beginn an beachtlich: Im Zeitraum April bis Dezember 2024 wurden statt der prognostizierten 150 Fälle insgesamt 279 forensische Untersuchungen und Beratungsgespräche durchgeführt. Im Jahr 2025 erhöhte sich die Zahl auf 512, wie vom Kanton Zürich berichtet wurde.
Nadja Weir vom Amt für Gesundheit in Zürich äussert sich zufrieden mit der Pilotphase: «Das Projekt hat einen sehr guten Start hingelegt und ist gut angenommen worden», so Weir. Positive Rückmeldungen von Opferberatungsstellen bestätigen dies, und auch Betroffene selbst würden das Angebot lobend hervorheben.
Angesichts des Erfolgs plant der Kanton Zürich nun den Übergang in den regulären Betrieb bis 2030 mit einem Budget von 8.6 Millionen Franken. Laut Weir schliesst dieses Projekt eine wichtige Versorgungslücke, was auch durch eine Evaluation der ZHAW bestätigt wird. Die Zusammenarbeit zwischen Spitälern, Opferberatungsstellen, Polizei und Staatsanwaltschaft verläuft reibungslos.
Dennoch hat sich der Kanton weitere Ziele gesetzt: So soll das Bewusstsein für den Dienst verstärkt werden. Eine Kampagne im Dezember 2025 mit Plakaten in öffentlichen Verkehrsmitteln brachte bereits Wirkung, doch strebt Weir weiterhin eine Steigerung der Bekanntheit an.
Darüber hinaus ist geplant, bis Anfang 2028 eine ambulante Beratungsstelle einzurichten. Diese soll Opfern den Weg ins Spital ersparen und niederschwellige Hilfsangebote bereithalten, selbst für jene mit weniger schweren Verletzungen. «Unser Ziel ist es auch, Personen zu erreichen, die keine stationäre Behandlung benötigen», erklärt Weir.
Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 23.4.2026, 12:03 Uhr