Die medizinische Versorgung im Gazastreifen ist laut dem Arzt Bassam Zaqout, Leiter der Palestinian Medical Relief Society (PMRS) mit Sitz in Gaza-Stadt, praktisch zusammengebrochen. Obwohl vereinzelt ärztliche Hilfe angeboten wird, fehlt es an einer umfassenden Gesundheitsversorgung. Die PMRS beschäftigt lokal 235 Mitarbeiter und betreibt neun Gesundheitszentren sowie mobile Stationen in Vertriebenenlagern.
Filipe Ribeiro von Ärzte ohne Grenzen, der seinen Gaza-Einsatz aus Amman koordiniert, verdeutlicht die Problematik: “Für eine Bevölkerung von zwei Millionen Menschen stehen weniger als 2000 Spitalbetten zur Verfügung.” Mehr als die Hälfte der Krankenhäuser wurden im Krieg zerstört und funktionieren nur teilweise. Es mangelt an Operationssälen, chirurgischen Geräten, Desinfektionsmitteln, Medikamenten sowie Fachpersonal. Chronische Erkrankungen, Herzleiden und Krebs können kaum behandelt werden.
Trotz des offiziellen Waffenstillstands seit Oktober letzten Jahres sind die Waffen im Gazastreifen nicht verstummt. Die UNO meldet einen Höchststand an gewaltsamen Zwischenfällen innerhalb einer Woche, trotz der angeblichen Waffenruhe. Israels Armee kontrolliert etwa die Hälfte des Gebiets; die Hamas bleibt auf dem Rest die dominierende bewaffnete Gruppierung. Die von Israel definierte “gelbe Linie” ist unklar.
Ein besonderes Problem stellt der Mangel an Diagnostik dar, wie Ribeiro betont: “Röntgengeräte oder Labormaterial lassen sich kaum nach Gaza bringen, da Israel sie als Dual-Use-Güter einstuft.” Dies führt zu Fehldiagnosen und potenziell vermeidbaren Komplikationen. Die Lebensbedingungen in den Vertriebenenlagern verschärfen die Situation: Menschen leben auf Trümmern, ohne funktionierendes Abwassersystem, und leiden unter Parasiten wie Läusen und Ratten.
Bassam Zaqout berichtet von einer hohen Krankheitsrate: “40 Prozent der Bevölkerung Gazas sind krank”, schließt er aus den täglichen Besuchen in Gesundheitszentren. Die Lebensumstände führen zu Atemwegsinfektionen, Blasenentzündungen und Magen-Darm-Problemen.
Der Friedensrat mit 28 Mitgliedern, darunter die USA und einige europäische Staaten wie Ungarn oder Bulgarien, versucht vergeblich, den Friedensprozess wieder in Gang zu bringen. Gespräche zwischen den USA und der Hamas fanden statt, doch Details bleiben geheim.
Filipe Ribeiro wirft Israel vor, die Einfuhr von Hilfsgütern behindert zu haben. Trotz täglicher Beratungen im US-geführten Hilfskoordinationszentrum für Gaza fehlt es an Fortschritten. Die israelische Behörde antwortete nicht auf konkrete Anfragen.
Einschätzungen von Susanne Brunner, Leiterin der Auslandredaktion.