Bei einer Medienkonferenz betont Bundesrat Beat Jans die verbesserte Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen im Rahmen der Roadmap zur Bekämpfung von häuslicher und sexueller Gewalt. Trotz wichtiger Schritte, wie dem Austausch und Lernen voneinander, bleibt das Problem akut: Die Zahl gemeldeter Fälle schwerer häuslicher Gewalt hat ein Rekordhoch erreicht. “Es ist inakzeptabel, dass so viele Frauen ums Leben kommen und Menschen in Angst leben müssen”, stellt der Bundesrat klar. Zusätzliche Maßnahmen sind daher erforderlich.
Eine Hoffnung liegt auf der neuen nationalen Opferhilfenummer 142, die am 1. Mai startet, sowie einer Revision des Opferhilfegesetzes. Diese Reform sieht unter anderem eine Mindestzahl an Schutzplätzen und eine verbesserte medizinische Versorgung für die Opfer vor. Weitere Gesetze und Strategien sind geplant, da der Kampf gegen häusliche Gewalt vielschichtig ist.
Ein Hauptproblem bleibt jedoch bestehen: Viele Maßnahmen greifen erst nach einer Eskalation. Tomas Vollenweider vom Mannebüro Zürich weist darauf hin, dass viele Fälle von häuslicher Gewalt im Dunkelfeld bleiben und ohne Meldung nicht behandelt werden können. Im Mannebüro arbeitet man an der Identifikation von Ursachen für Gewalt und der Entwicklung gewaltfreier Strategien. Vollenweider betont, dass viele Männer ihre Machtposition durch Gewalt aufrechterhalten.
Dennoch sind positive Veränderungen zu erkennen: Sensibilisierung hat zugenommen und mehr Fälle werden von Behörden bearbeitet. Vollenweider sieht Prävention als Schlüssel zur Gewaltverhinderung, da viele Maßnahmen erst nach Eskalation greifen. Zuständigkeiten und Finanzierungen stellen jedoch oft Hürden dar.
Ein gesellschaftlicher Faktor spielt ebenfalls eine Rolle: Jungen Männern wird häufig Druck gemacht, bestimmte Rollenbilder zu erfüllen, was den Zugang zu ihren Emotionen erschwert. Präventionsmaßnahmen sollten bereits in Schule und Familie ansetzen. Vollenweider betont die Notwendigkeit von neuen Vorbildern für eine andere Form der Männlichkeit.
Einigkeit besteht darin, dass noch viel Arbeit vorliegt – vom Bundesrat bis zu Fachstellen ist klar: Veränderungen müssen auf allen Ebenen stattfinden, um Angst im privaten Raum abzubauen. Gewalt entsteht oft bei hoher Anspannung, und es sei wichtig, frühzeitig Gegenmaßnahmen einzuleiten.