Am Vormittag starteten Retter im Hafen von Kirchdorf auf Poel ein Boot, um sich dem seit vier Wochen in einer flachen Bucht bei Wismar feststeckenden Wal zu nähern. Mithilfe von Gurten wurde der Wal durch eine ausgehobene Rinne zu einem bereitstehenden Lastkahn geführt, wie Livestreamaufnahmen zeigten. Der Wal nahm die Aktion zunächst gelassen hin.
Der Umweltminister Mecklenburg-Vorpommerns, Till Backhaus, äußerte sich optimistisch: «Bis Sonnenuntergang wollen wir den Wal auf der Barge haben», sagte er in Kirchdorf. Auch Karin Walter-Mommert, die eine private Initiative finanziell unterstützt, betonte: «Unser Ziel ist es, heute fertig zu werden.»
Laut Backhaus gaben die Behörden grünes Licht für das Vorhaben, den rund zwölf Tonnen schweren Meeressäuger mittels Gurten durch eine etwa 100 Meter lange Rinne zum mit Wasser gefüllten Lastkahn zu führen. Der Plan sieht vor, den Buckelwal in der Barge, die üblicherweise für Schiffs-Transporte verwendet wird, wie in einem riesigen Aquarium zur Nordsee zu bringen.
Wal-Fachleute sehen jedoch das Vorhaben kritisch und plädieren dafür, dem Tier Ruhe zu gönnen. Das Deutsche Meeresmuseum rät, den Wal nur palliativ zu versorgen und von weiteren Eingriffen abzusehen: «Der Gesundheitszustand des Wals hat sich verschlechtert», so die Experten, die auch auf geringe Erfolgsaussichten einer Lebendbergung hinweisen. Die Aktion birgt zudem erhebliche Verletzungsrisiken, wie Forschende betonen und auf ähnliche Einschätzungen der International Whaling Commission sowie British Divers Marine Life Rescue verweisen.
Anfang März war der Buckelwal in Küstennähe gesichtet worden und hatte zunächst im Hafen von Wismar Aufsehen erregt. In der Nacht zum 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein, gelangte anschließend wieder ins Wasser über eine ausgehobene Rinne und kehrte Richtung Wismar zurück. Letztlich schwamm er in die flache Kirchsee-Bucht der Insel Poel, wo er sich erneut festsetzte.
Trotz Warnungen aus der wissenschaftlichen Gemeinschaft entschied Backhaus Mitte April, die Bemühungen einer privaten Initiative zu unterstützen. Diese wird neben Karin Walter-Mommert von Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanziert und hat den Lastkahn organisiert, um den Wal in die Nordsee zu bringen. Ein früheres Konzept der Gruppe war fehlgeschlagen.
Die Reaktion des Wals auf diese Maßnahmen ist ungewiss, so das Resümee der Wal- und Delfin-Schutzorganisation WDC. Daten legen nahe, dass Interaktionen mit Menschen bei wild lebenden Großwalen Stress auslösen.
«Wale sind in freier Natur nicht an Situationen gewöhnt, in denen sie eingeschränkt sind», so die Einschätzung der WDC. Die ungewohnte Umgebung könnte den Wal zusätzlich stressen und Angst hervorrufen, besonders da er seinem Fluchtinstinkt nicht folgen kann.
Das Ziel ist es, mit der Barge den Buckelwal zur Nordsee zu transportieren, wo in Skagen bei Dänemark sein Zustand neu bewertet werden soll. Für die geplante dreieinhalbtägige Fahrt sind noch einige Herausforderungen zu meistern.
SRF 4 News, 20.4.2026, 9 Uhr; dpa/fann;zero;wilh