Die Beziehung zwischen den Grasshoppers und ihren Fans hat sich zuletzt stark belastet, was die amerikanischen Besitzer aus Los Angeles veranlasst, einen Verkauf in Erwägung zu ziehen. Seit der Übernahme durch das kalifornische Team um den Los Angeles FC bleibt unklar, welche Ziele mit dem Zürcher Klub verfolgt werden. Alain Sutter, Sportchef von GC und Entscheidungsträger im Campus Niederhasli, äußerte sich in einem Interview mit der NZZ am Sonntag skeptisch über die langfristigen Absichten der Besitzer: «Sie sind Geschäftsleute, die auf eine Rendite ihrer Investitionen hoffen. Ich glaube nicht, dass es ihnen Freude bereitet, dauerhaft Geld in Zürich zu investieren.» Diese Worte fielen im September.
Jetzt, im April, scheint der Enthusiasmus der LAFC für ihre Beteiligung am Zürcher Rekordmeister abgenommen zu haben. Eine Aussage ihrer Medienmitteilung vom Dienstag lässt zumindest darauf schließen: «Unser Interesse liegt nicht in der Eigentümerschaft, sondern ausschließlich in der Zukunft des Klubs. Ein geeigneter, engagierter und finanzstarker Eigentümer ist notwendig, um diese Zukunft zu sichern.»
Diese Botschaft könnte Gerüchte über die kommende Zukunft der Grasshoppers befeuern. Die Besitzer sind bereit für Verkaufsgespräche, vorausgesetzt, die langfristige Nachhaltigkeit des Klubs ist gewährleistet.
Die Situation hat sich zuletzt zugespitzt: Vor zwei Wochen eskalierten nach einem enttäuschenden Cup-Halbfinal-Aus gegen Lausanne-Ouchy (0:2) Ausschreitungen. Chaoten aus dem GC-Fanlager zerstörten nicht nur die Pontaise, sondern griffen auch den Team-Bus mit Pyros an. Im Anschluss veröffentlichte der organisierte Fanblock eine Mitteilung gegen die Eigentümer. Am Samstag im Stadion Letzigrund zeigten sie ihre Ablehnung erneut: Während der ersten Halbzeit gegen Luzern (1:2) blieben sie der Kurve fern und prangerten ein Banner mit «FUCK OFF LA FC» auf.
Der Frust der Fans ist verständlich: Die zweite Saisonhälfte zeigt eine sportliche Talfahrt, und kommerziell stagniert GC. Die Besitzer bleiben weitgehend im Hintergrund.
Die LAFC weisen Vorwürfe der Untätigkeit seit ihrer Übernahme vor zwei Jahren zurück und betonen ihre Investitionen zur Sicherung des Betriebs der Grasshoppers. Doch die finanzielle Realität bleibt: Die laufenden Kosten übersteigen weiterhin die Einnahmen, was externes Unterstützen erforderlich macht.
Das Minus von rund 15 Millionen Franken im Geschäftsjahr 2025 verdeutlicht das strukturelle Defizit. Die Eigentümer hatten unterschätzt, wie anspruchsvoll der Austausch mit den Anhängern ist. Nun laden sie die Fans ein, konstruktive Gespräche zu führen.
Die Unruhe zeigt: GC steht im Panikmodus. Trainerwechsel und teure Winter-Transfers brachten keine Verbesserung, und Versuche, durch die Trennung von Geschäftsführer Christoph Urech Fans zu besänftigen, scheiterten. Vor den Barrage-Spielen gegen den Zweitplatzierten der Challenge League steht GC vor einem weiteren Problem: Der Austragungsort für das Heimspiel am 23. Mai ist unklar; der Letzigrund ist belegt.
In diesem Zustand verliert der Klub an Attraktivität, weder für seine aktuellen Besitzer noch für potenzielle neue Eigentümer.