Die Bundesregierung setzt auf freiwillige Rückkehr von Flüchtlingen in ihre Herkunftsländer. Diese Option wird allerdings kaum angenommen. Um die Attraktivität der Rückkehr zu steigern, schlagen linke Politiker vor, syrischen Flüchtlingen temporäre Besuche ihrer Heimat zu ermöglichen.
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte Anfang April provoziert mit dem Hinweis, dass 80 Prozent der Syrer in Deutschland zurückkehren sollten. Seine Bemerkung fiel während eines Besuchs des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Sharaa und löste Kontroversen aus – besonders darüber, wer die Zahl zuerst genannt hatte: Merz oder Sharaa? Kritik richtete sich vor allem gegen Merz wegen der pauschalen Natur seiner Aussage und dem Missachten der komplexen Lage vieler syrischer Flüchtlinge in Deutschland.
Trotz des Sturzes von Diktator Bashar al-Asad im Dezember 2024 ist die Situation in Syrien weiterhin angespannt. Die Union und SPD sind jedoch bestrebt, freiwillige Rückführungen zu fördern, da viele Schutzgründe für Flüchtlinge weggefallen seien. Merz erklärte Ende 2025: “Es gibt keinen Grund mehr für Asyl in Deutschland, wir können daher mit Rückführungen beginnen.” Der Bund unterstützt die freiwillige Rückkehr finanziell mit einer Starthilfe von 1000 Euro pro Person und einem Reisezuschuss von 200 Euro. Im Jahr 2025 nahmen nur 3678 Syrer diese Option wahr.
Um mehr Flüchtlinge zur Rückkehr zu bewegen, schlagen SPD, Grüne und Linke vor, temporäre Heimatbesuche zu erlauben. Sebastian Fiedler von der SPD meint dazu gegenüber der FAZ: “So können sich die Menschen vor Ort selbst ein Bild davon machen, ob eine dauerhafte Rückkehr möglich ist.” Die Union sieht den Vorschlag kritisch und verweist auf die bestehende Rechtslage, welche Schutzberechtigte nur bei „sittlich zwingend gebotenen“ Reisen in ihre Heimatländer erlaubt.
Der Jurist Winfried Kluth, seit 2025 Vorsitzender des Sachverständigenrats Integration und Migration, argumentiert dagegen. Solche Besuche seien sinnvoll, um die Lage vor Ort zu beurteilen – auch für organisatorische Planung. Die Rechtslage sei nicht eindeutig; europarechtliche Vorgaben könnten deutsches Recht aufweichen lassen.
Deutschland hat etwa eine Million Syrer aufgenommen, mehr als jedes andere EU-Land. Viele sind gut integriert und arbeiten in Branchen wie Kfz, Logistik oder Gesundheitswesen. Dennoch gibt es Herausforderungen: Nur knapp die Hälfte der erwerbsfähigen Syrer ist regulär beschäftigt; zudem sind sie überproportional häufig als Straftatverdächtige vertreten.
Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Institut der deutschen Wirtschaft, Bundesagentur für Arbeit.