In Zürich Wiedikon zeigt die Aemtlerwiese ein bemerkenswertes Szenario: Eine Grünfläche wird wiederhergestellt, da das geplante Bauvorhaben durch Einsprachen ins Stocken geraten ist. Ein Nachbar kann sich trotz juristischer Niederlage und unhaltbaren Argumenten als Sieger fühlen. Das sollte nicht sein. Die Wiese in Zürich Wiedikon, die einst mit Fussballtoren auf einer reduzierten Fläche zum Spielen genutzt wurde, steht nun unter einem Bauzaun neben 3600 Quadratmetern Bauschutt seit Ende August still – ein Anblick unerwünscht für das Quartier. Ursprünglich war geplant, dort Bohrungen für Erdsonden in einer Tiefe von 245 Metern durchzuführen, um Wärmepumpen zu installieren, die Provisorien und später die beiden Haupttrakte des benachbarten Schulareals beheizen sollten. Die fast hundertjährigen Schulgebäude erfordern dringend Sanierungsarbeiten. Ein Anwohner legte jedoch Einspruch gegen das Projekt der Stadt ein, mit dem Argument, dass die Bohrungen direkt vor seinem Grundstück stattfinden und die Wiese durch schwere Maschinen belastet würde. Er warnte auch vor einer möglichen Überflutung des Geländes aufgrund eines nahen Grundwasserspiegels sowie der Entzug von Wärme aus benachbarten Parzellen, einschließlich seines eigenen Grundstücks. Das Baurekursgericht sah jedoch keinen Anlass, dem Einspruch nachzugeben. Obwohl die Grundstücke des Beschwerdeführers und das Bauareal nur etwa 15 Meter auseinanderliegen, wurde festgestellt, dass er kein schutzwürdiges Interesse habe. Seine Vorwürfe über eine mögliche Flutung der Wiese sowie seine Theorie von einem Einflussbereich der Bohrungen von bis zu 40 Metern wurden als unbegründet abgetan. Die Entscheidung des Gerichts war eindeutig: Der Einsprechende ist nicht ausreichend betroffen, um das Projekt juristisch anfechten zu dürfen. Trotz dieser klaren Niederlage zeigt sich der Rekurrent unbeeindruckt und plant weitere rechtliche Schritte beim Zürcher Verwaltungsgericht sowie potenziell vor dem Bundesgericht in Lausanne. Er hat sogar angekündigt, auch die Sanierungen der Schulgebäude herauszufordern. Mit wenig Kreativität lässt sich vorhersagen, dass diese Geschichte weitergehen wird. Die Aemtlerwiese ist ein Mikrokosmos dessen, was beim früheren Hardturmstadion kritisiert wurde: Es gelingt Nachbarn zu leicht, Bauprojekte aufzuhalten – ein Zustand, der wenig mit demokratischen Prinzipien und viel mit Eigeninteressen zu tun hat. In Zürich Wiedikon könnte man fast darüber lachen, wäre es nicht so ärgerlich. Der Einsprechende sieht sich als Sieger, obwohl er vor Gericht unterlegen war. Das Bauprojekt wird vermutlich über Jahre blockiert bleiben. Die Grünfläche auf der Aemtlerwiese wird dennoch provisorisch wiederhergestellt – ein Zugeständnis an die Quartierbevölkerung, das mit 480 000 Franken zu Buche schlägt. Die Steuerzahler können sich beim Wiediker Rekurrenten dafür bedanken.