Ein nachlässiger Reinigungsvorgang kann zu unerwünschten gesundheitlichen Folgen führen. Der Schaum klebt am Auslauf, die Düse zeigt Verschleißerscheinungen und der Milchschlauch wird nur oberflächlich gereinigt: Kaffeevollautomaten mit integriertem Milchsystem sind anfällig für Keimansammlung. Diese landen dann in den Trinkprodukten wie Cappuccinos, die von Kunden konsumiert werden.
Das Kantonale Labor Zürich untersuchte 15 Proben aus Gastronomiebetrieben, Tankstellen und Shops. Trotz der kleinen Stichprobe war das Ergebnis alarmierend: Bei fast jedem vierten Getränk wurden Mängel festgestellt. Dies geht aus dem jüngst veröffentlichten Jahresbericht des Labors hervor. Die Milch selbst ist meist pasteurisiert oder UHT-behandelt und somit keimfrei, das Problem liegt in den komplexen Maschinen, die gründlich gereinigt werden müssen.
Die Laboruntersuchungen zeigen, dass nicht alle Betriebe die Hygiene ernst nehmen. Bei vier der Proben wurden Richtwerte für Enterobacteriaceen überschritten – Bakterien, die in Mensch und Tier vorkommen und Durchfallerkrankungen auslösen können. Diese Bakterien weisen auf eine nachträgliche Verunreinigung im Automaten hin.
Im Jahr 2025 nahm das Labor über 21.000 Proben von Lebensmitteln, Gebrauchsgegenständen sowie Trink- und Badewasser entgegen und führte zudem 8.000 Betriebsinspektionen durch. Bei der Überprüfung der Hygiene in Foodtrucks stellten die Laboranten Mängel fest; bei 15 von 89 Proben aus 19 Trucks wurden Probleme wie Mikroorganismen, die bei Raumtemperatur wachsen können, entdeckt.
Nicht nur Verunreinigungen stehen im Fokus der Untersuchungen. Produkte werden auch daraufhin geprüft, ob sie ihren Versprechen auf den Verpackungen entsprechen. So wurden 15 Lebensmittel mit einem versprochenen Proteingehalt von mindestens 20 Prozent getestet – darunter Müesli, Brotaufstriche und Riegel. Die Ergebnisse waren enttäuschend: 80 Prozent der Produkte wiesen Mängel auf; bei manchen war der Proteingehalt deutlich niedriger als angegeben oder erforderte unverhältnismäßig große Mengen zur Erreichung des deklarierten Werts. Das Labor rät zu einer kritischen Betrachtung von “High Protein”-Labels, da solche Produkte oft viel Fett und Zucker enthalten.
Von allen Proben im letzten Jahr wurden 10 Prozent beanstandet – nahezu die Hälfte aufgrund mikrobiologischer Mängel. Die Kontrollen zielten gezielt auf Betriebe ab, in denen ein erhöhtes Risiko vermutet wurde.
Kantonschemiker Martin Brunner warnt: Für Verbraucher ist es schwierig zu erkennen, wie gut Kaffeemaschinen gereinigt werden. Ein unordentlicher Gastraum könnte auf schlechte Hygiene hinter der Theke hinweisen. Große Kaffeeketten seien weniger anfällig als kleinere Läden. Brunner vergleicht dies mit Fritteusen: In großen Ketten, die große Mengen frittierter Produkte herstellen, ist das Öl oft von besserer Qualität. Kleinere Betriebe könnten dagegen ein Problem mit verderblichem Frittieröl haben.
Brunner betont, dass Kaffeevollautomaten nur selten so stark verschmutzt sind, dass sie gesundheitliche Beschwerden auslösen. Dennoch empfiehlt er auch Privatpersonen, ihre Maschinen regelmäßig gründlich zu reinigen, um Unhygienereien zu vermeiden.