Elegante Abendessen oder das aufdringliche Wort «Bunga Bunga» – beides sind harmlose Beschreibungen für ein hartes Geschäft: Prostitution. Im Jahr 2010, als Berlusconi Italiens Ministerpräsident war, zahlte er viel Geld dafür, junge Frauen zu engagieren, darunter Minderjährige. Die Organisation übernahm Nicole Minetti, eine ehemalige Dentalhygienikerin, die für ihre Dienste von Berlusconi reichlich entlohnt wurde und zudem einen Sitz im Regionalparlament der Lombardei erhielt.
Minetti half dabei, das wahre Alter einer minderjährigen Prostituierten zu verschleiern – Karima el-Mahroug, bekannt als Ruby Rubacuori. Für diese Verschleierung und exzessive Spesenabrechnungen wurde Minetti zu fast vier Jahren Haft verurteilt.
Italiens Justizminister Carlo Nordio, ein Freund der Berlusconi-Familie, wollte Minetti begnadigen, da sie sich angeblich geändert hatte und in Uruguay ein elternloses, krankes Kind adoptiert hatte. Diesen Grund führte er an, um Staatspräsident Mattarella zu bitten, die Begnadigung vor einigen Wochen zu gewähren.
Jedoch berichten nun Zeitungen, dass Minetti betrogen hat: Das kranke Kind sei gar nicht von seinen Eltern verlassen worden. Daraufhin schrieb Präsident Mattarella Justizminister Nordio einen offenen Brief und forderte umgehend eine Klarstellung.
Seit dem Verlust des Referendums über die Justizreform im März wackelt der Stuhl von Nordio noch mehr. Jetzt fragt sich ganz Italien: Kann man eine Begnadigung rückgängig machen, wenn sich bestätigt, dass Minetti gelogen hat? Dies wäre ein Novum.
Während Berlusconi seit drei Jahren verstorben ist und «Bunga Bunga» zur Sitten-Geschichte geworden ist, schütteln die Verbrechen dieser Abendessen immer noch Land und Institutionen. Die Folgen der Skandale sind weiterhin spürbar.