Mario Irminger, Chef der Migros, tritt ungewöhnlich deutlich in die politische Arena ein. In einem Gespräch mit derSchweiz am Wochenende kritisiert er die 10-Millionen-Initiative und betont seine Verantwortung, die Konsequenzen offenzulegen. “Das ist unsere Aufgabe, ja unsere Pflicht”, so Irminger. Er argumentiert, dass eine Annahme des Vorschlags den Detailhandel “im Kern” beeinträchtigen würde, was zu weniger Filialen, kürzeren Öffnungszeiten und eingeschränkten Angeboten führen könnte.
Irminger hebt hervor, dass aufgrund der demografischen Entwicklung und des steigenden Personalbedarfs Migration wirtschaftlich unerlässlich sei. Er nennt die Migros-Tochter Micarna als Beispiel, wo etwa 60 Prozent der Angestellten Ausländer sind; in einigen Bereichen sogar bis zu 90 Prozent. Ohne diese Arbeitskräfte wäre es schwierig, den Betrieb aufrechtzuerhalten, so Irminger. Ein Bevölkerungsdeckel sei daher nicht die Lösung für Probleme wie Wohnungsnot oder Infrastrukturmängel.
Diese Perspektive greift jedoch zu kurz, da sie von der Selbstkritik des Detailhandels ablenkt. Barbara Steinemann, Nationalrätin der Zürcher SVP, liefert dazu Zahlen: Im März 2026 waren im Detailhandel 16’724 Personen arbeitslos und suchten eine Stelle, während gleichzeitig 10’049 Arbeitslose gemeldet wurden. Gleichzeitig wurden im letzten Jahr 6’767 neue Fachkräfte aus dem Ausland eingestellt. Sie kommentiert auf X: “Es scheint für die Detailhandels-Oligarchen Migros und Coop bequemer, günstige Arbeitskräfte aus dem Ausland zu rekrutieren, statt über unsere RAV zu gehen.” Die Personenfreizügigkeit unterstützt dieses Modell – doch die Kosten trägt die Allgemeinheit.
Irmingers Äußerung ist ein seltener politischer Vorstoß aus der Branche. Daher muss er sich an seinem eigenen Anspruch messen lassen: Wer vor den Folgen politischer Entscheidungen warnt, sollte auch die Verantwortung seiner Unternehmenspraxis beleuchten.
Es wird deutlich, dass es für Unternehmen wie Migros heutzutage einfach ist, im Ausland nach Arbeitskräften zu suchen. Irminers Intervention bleibt daher vor allem interessengeleitet.