Die Schweiz kämpft weiterhin mit einer Überproduktion an Milch, verursacht durch exzellente Futterqualität und die Herausforderungen eines starken Frankens im Exportmarkt. Auch die Verarbeitungskapazitäten für Butter und Milchpulver sind überlastet, was zu notwendigen Vernichtungen von Magermilch führte, während das Milchfett teilweise gerettet wurde.
Anfang Februar senkte die Branchenorganisation Milch den Preis für A-Milch um 4 Rappen pro Kilogramm auf nun 78 Rappen. Dieser Schritt soll Schweizer Milcherzeugnisse konkurrenzfähiger machen und den Überschuss verringern.
Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation, beschrieb die Preissenkung gegenüber Nau.ch als «schmerzhaft»: Große Betriebe verzeichnen bis zu 2000 Franken weniger Einkommen monatlich. André Bernet von den Zentralschweizer Milchprodukten berichtete ebenfalls über Einnahmenrückgänge, die durch Kriegspreise für Kraftstoffe und Dünger noch verstärkt werden.
Maurice Botta von der Genossenschaft «Mooh» bemängelte den zunehmenden Preisdruck und steigende Verschuldung bei Produzenten. Für Verbraucher hingegen bedeutet die Preissenkung günstigere Schweizer Milchprodukte.
Die Branche ruft zum verstärkten Konsum heimischer Produkte auf und fordert den Handel dazu auf, Importe durch lokale Erzeugnisse zu ersetzen. Martin Haab, Zürcher SVP-Nationalrat und ehemaliger Milchbauer, kritisierte die weiteren Importe von ausländischem Milchpulver trotz Überschuss.
Stefan Kohler bestätigte Verbesserungen bei der Rückkehr zu Schweizer Rohstoffen. Trotzdem steht die Branche vor dem Höhepunkt der Milchproduktion, wie André Bernet erwähnte, wobei Verarbeitungskapazitäten stark ausgelastet sind.
Alex Segovia von Cremo berichtete ebenfalls über ein erhöhtes Milchaufkommen um 5 bis 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hoffnung besteht jedoch in der nahenden Alpzeit, die eine Entlastung bringen soll, da Betriebe auf Alpkäseproduktion umstellen.