Im Gegensatz zum allgemeinen Negativtrend steigert der Logistikkonzern Hupac seine Transportvolumina auf der Schiene. Das vom Schweizer Volk beschlossene Verlagerungsziel bleibt jedoch in weiter Ferne.
In Europa ist der Güterverkehr per Bahn mit nur 10 Prozent des industriellen Warenaustauschs eine Minderheit. Eine Ausnahme bildet die Nord-Süd-Verbindung zwischen Deutschland und Norditalien, wo 80 Prozent der Güter auf der Schiene transportiert werden.
Die Schweizer Verlagerungspolitik hat zu diesem hohen Anteil geführt. Nach Annahme der Alpeninitiative im Jahr 1994 ist es in der Verfassung verankert, dass alpenquerende Güterverkehre auf die Schiene verlagert werden sollen. Das Güterverkehrsgesetz sieht vor, die Anzahl der Lastwagenfahrten durch die Alpen auf maximal 650 000 pro Jahr zu begrenzen.
Dennoch steht diese Politik vor Herausforderungen. Der kombinierte Verkehr über die Alpen – bei dem Lkw-Ladungen auf spezielle Bahnwagen verladen werden – ist zwischen 2022 und 2025 um 11 Prozent zurückgegangen, während der Strassentransport im selben Zeitraum um 4 Prozent wuchs. Die Hauptursache für diesen Rückgang waren Baustellen im deutschen Schienennetz.
Im Geschäftsjahr 2025 konnte Hupac trotz des Markttrends sein Transportvolumen um 4,3 Prozent auf etwa 975 000 Sendungen erhöhen, wie in einer Medienkonferenz in Zürich bekannt gegeben wurde. Im alpenquerenden Verkehr verzeichnete das Unternehmen sogar ein Wachstum von 4,5 Prozent.
Hupac ist damit im Gegensatz zum Markt gewachsen. Der gesamte Schienengüterverkehr durch die Schweizer Alpen schrumpfte 2025 um weitere 7,5 Prozent und der Marktanteil der Bahn am Alpentransit fiel auf knapp 69 Prozent.
Hupac-Verwaltungsratspräsident Hans-Jörg Bertschi führt den vergleichsweise besseren Erfolg des Unternehmens darauf zurück, dass es sich auf wenige leistungsfähige Terminals konzentriert. Diese senden nun mehrere Züge pro Tag aus, was die Pünktlichkeit verbesserte.
Diese positive Entwicklung setzt sich auch im laufenden Jahr fort, wobei Hupac von den steigenden Dieselpreisen profitiert, da der kombinierte Verkehr hauptsächlich mit Strom betrieben wird.
Trotzdem bleibt der Schienengüterverkehr durch die Alpen in einer Krise. Bertschi ist überzeugt, dass das gesetzliche Ziel von maximal 650 000 Lkw-Fahrten nicht kurzfristig erreicht werden kann. Die letzten Zahlen lagen bei rund 960 000 Fahrten und erwartete Sanierungsarbeiten im deutschen Schienennetz könnten zu weiteren Einschränkungen führen.
Bertschi geht davon aus, dass sich die Volumina auf der Schiene in den kommenden zwei Jahren bestenfalls stabilisieren werden. Ein Wachstum wird erst ab 2029 erwartet und das Verlagerungsziel könnte noch mindestens zehn bis fünfzehn Jahre dauern.