Die Sendung «Alkohol im Alltag – Gibt es ein gesundes Mass?», ausgestrahlt am 5. Januar auf dem Schweizer Fernsehen SRF, verstößt gegen das Sachgerechtigkeitsgebot, so die SRG-Ombudsstelle nach einer Zuschauerbeschwerde. Die Kritik richtet sich besonders darauf, dass in der Sendung lediglich eine Expertin zu Wort kam, welche die Position der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vertrat: Alkohol sei prinzipiell ungesund. Andere wissenschaftliche Einschätzungen wurden komplett ignoriert. Dies ist insbesondere problematisch, da die Sendung im Titel nach einem «gesunden Mass» fragte und dadurch eine journalistische Einseitigkeit entstand.
Die Redaktion weist den Vorwurf einer unsachgemäßen Dramatisierung zurück und betont, dass das Ziel der Sendung Aufklärung und Prävention gewesen sei. Sie habe darauf abzielen sollen, ein breites Publikum, welches regelmäßig Alkohol konsumiert, für mögliche Gesundheitsrisiken zu sensibilisieren. Die Redaktion verteidigt zudem ihre Darstellung inhaltlich, indem sie auf aktuelle, weitreichende wissenschaftliche Erkenntnisse sowie die Richtlinien der WHO verweist, wonach Alkohol generell gesundheitsschädlich sei und selbst geringe Mengen Risiken bergen können.
Die Ombudsstelle erachtete es als zulässig, dass die Sendung sowohl auf Alkoholabhängigkeit als auch auf den allgemeinen Alkoholkonsum einging. Sie betonte, dass der Beitrag klar zwischen moderatem Konsum und Alkoholismus unterschieden habe und die porträtierten Beispiele unbeanstandet blieben.
Die kritische Haltung der Ombudsstelle richtete sich gegen die Einordnung des moderaten Alkoholkonsums. Während Hinweise auf gesundheitliche Risiken, wie ein erhöhtes Krebsrisiko, grundsätzlich zulässig seien, fehle es in der Sendung an einem Hinweis darauf, dass die Schlussfolgerungen der WHO wissenschaftlich teilweise hinterfragt und politisch kritisiert würden. Nach Ansicht der Ombudsstelle hätte der Beitrag zumindest erwähnen müssen, dass auch andere Meinungen existieren, insbesondere über positive Auswirkungen eines moderaten Weinkonsums auf Herz und Kreislauf.