Am Austausch von politischen Gefangenen waren Polen, Russland und Moldau beteiligt, wobei die USA als Vermittler agierten. Der Machthaber Weißrusslands, Alexander Lukaschenko, versucht damit seinen Handlungsspielraum zu erweitern. An der polnisch-weißrussischen Grenze erlebte Polens Premierminister Donald Tusk einen besonderen Moment: die Freilassung des polnischstämmigen Journalisten und Aktivisten Andrzej Poczobut, der fünf Jahre unter harten Bedingungen im Gefängnis war. Teil dieses Austauschs waren außerdem der Karmelitermönch Grzegorz Gawel und der wegen politischer Vorwürfe inhaftierte Geschäftsmann Tomasz Beroza; insgesamt wurden zehn Gefangene ausgetauscht. Russland entließ zwei moldauische Geheimdienstmitarbeiter, die im Sommer 2025 unter Spionageverdacht festgenommen worden waren. Im Gegenzug überstellte Polen den russischen Archäologen Alexander Butjagin nach Moskau, der in Krim-Ausgrabungen involviert war und wegen eines ukrainischen Haftbefehls umstritten wurde. Die Entscheidung Warschaus betonte das Ziel einer Verbesserung des Verhältnisses zu Weißrussland gegenüber dem ukrainischen Begehren, was in Kiew Unmut auslöste. Moldau übergab ihren ehemaligen stellvertretenden Geheimdienstchef Alexander Balan an Weißrussland sowie die Ehefrau eines russischen Soldaten an Russland. Zudem waren zwei weitere Mitarbeiter von Geheimdiensten Teil des Austauschs. Dieser Gefangenenaustausch verdeutlicht die Bemühungen Polens und Weißrusslands, ihre Beziehungen zu verbessern. Nach der Wiederöffnung zweier Grenzübergänge durch Polen, die während eines russisch-weißrussischen Manövers geschlossen worden waren, verringerte Lukaschenko den Druck auf die polnisch-weißrussische Grenze durch Migranten aus Afrika und dem Nahen Osten. Die USA spielten erneut eine entscheidende Rolle. Donald Trumps Sondergesandter für Weißrussland, John Coale, gelang es zum vierten Mal, politische Gefangene freizulassen. Nach der Freilassung bekannter Oppositionspolitiker im Vorjahr kamen im März sogar 250 politische Gefangene frei, die meisten durften in Weißrussland bleiben. Coale beschrieb humorvoll seine Begegnungen mit Lukaschenko und erklärte, warum es sich lohne, den gefährlichen Weg zu gehen. Im Gegenzug lockerte Washington Sanktionen gegen den Finanzsektor und die Firma Belaruskali. Die Annäherung zwischen den USA und Weißrussland wird von einigen als produktive Vermittlertätigkeit im Osten Europas gesehen, die auch Litauen entgegenkommen könnte. Lukaschenko sucht dabei weniger innere Liberalisierungen, sondern mehr Spielraum gegenüber dem Westen und Russland. Obwohl Lukaschenko von Putin abhängig ist, ist Weißrussland für russische IT-Spezialisten aufgrund einer weniger restriktiven Internetpolitik attraktiv. Coale verspricht die Freilassung aller politischen Gefangenen in diesem Jahr – rund tausend an der Zahl. Seine Vermittlung wird langfristig nur dann wirksam sein, wenn sie auch innenpolitische Veränderungen bewirken kann und nicht zu neuen Erpressungsversuchen führt.