US-Präsident Donald Trump verlangt die Entfernung des bekannten Late-Night-Moderators Jimmy Kimmel. Nachdem Kimmel Melania Trump als “leuchtende werdende Witwe” bezeichnet hatte, was zwei Tage vor einem Attentatsversuch im Weißen Haus geschah, argumentiert Trump nun, Kimmels Bemerkungen hätten Gewalt provoziert. Der nordamerikanische Kulturwissenschaftler Martin Lüthe analysiert die Vorgänge.
Martin Lüthe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am John-F.-Kennedy-Institut in Berlin und spezialisiert auf Nordamerikas Geschichte und Kultur.
SRF News fragt: Was veranlasst Trump gerade, Kimmel zu entlassen?
Lüthe erklärt: Zunächst muss man den politischen Hintergrund betrachten. Der im Iran unbeliebte Krieg von Trump könnte ihm als Ablenkung dienen. Außerdem dient der Attentatsversuch beim Correspondents Dinner als Anlass für die Forderung, da Kimmel einen unglücklichen Witz über Trumps Alter und Melanias Aussehen machte. Trump behauptet nun, dass er mit seinem Tod gedroht wurde.
In “Late Night Shows” ist es nicht ungewöhnlich, Präsidenten zu kritisieren. Ist Trump besonders hart angegangen oder einfach empfindlicher?
Lüthe meint: Beides könnte zutreffen. Mit der politischen Satireshow “Daily Show” unter Jon Stewart wurde eine Tradition etabliert, die sich auch in den Monologen von Late-Night-Shows niederschlägt und Trump so hart trifft wie früher Biden. Zudem passt die Wahrnehmung, dass Trump besonders kritisiert wird, gut zu seinem Selbstbild als Opfer von Diskriminierung.
Als mächtigster Mann der Welt könnte Trump solche Shows eigentlich ignorieren oder ihnen gar nichts anhaben. Könnten sie ihm trotzdem schaden?
Lüthe glaubt nicht daran: Da Kimmel ein Publikum in einem anderen politischen Lager hat, erreichen seine Witze wahrscheinlich nicht diejenigen, die Trump den Rücken kehren könnten. Es wäre einfacher zu sagen, dass solche Witze zum Job gehören. Doch Trump reagiert heftig darauf – eine neue Sensibilität, ähnlich wie bei Friedrich Merz, der von mehr Kritik im Internet berichtet.
Gesprächsleiter: Isabelle Maissen
SRF 4 News, 29.4.2026, 16.45 Uhr