Der Schweizer Pass bietet zahlreiche Vorteile wie Stimm- und Wahlrecht sowie eine bessere soziale Absicherung. Dennoch entscheiden sich viele, die die Bedingungen erfüllen, gegen seine Beantragung. Eine Untersuchung des Bundesrats im Vorjahr mittels einer Befragung von rund 4000 Personen durch das Forschungsbüro BASS ergab, dass der aufwendige Prozess und die Kosten viele abschrecken. Ausländerinnen und Ausländer zweiter Generation fühlen sich am häufigsten unwohl damit, etwas zu beantragen, was ihnen als selbstverständlich erscheint. Severin Bischof, Studienleiter der Untersuchung, erklärt: „Es geht um verletzten Stolz und das Gefühl, die eigene Integration beweisen zu müssen.“ Er spricht von einem ‘stolzen Verzicht’. Auch der Wohnort beeinflusst den Einbürgerungsprozess erheblich. Die Kosten können zwischen einigen Hundert bis mehreren Tausend Franken variieren, was vor allem jüngere Personen betrifft. Dazu kommen unterschiedliche Anforderungen: Während einige Kantone nur ein Gespräch verlangen, erwarten andere Kurse oder Tests zu Landeskunde. Bischof betont: „Je höher die Kosten und Anforderungen, desto weniger werden Einbürgerungsgesuche gestellt.“ Der Bundesrat stellte letztes Jahr fest, dass erhebliche kantonale Unterschiede bestehen, was Chancengleichheit erschwert. Dennoch plant er keine einheitlichen Vorgaben für Gemeinden und Kantone bezüglich Kosten oder Tests. Justizminister Beat Jans äußerte sich im Nationalrat zur Demokratie-Initiative, dass eine freiwillige Prüfung der Verfahrensvereinfachung erfolgen sollte. Trotz Gesprächen zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden fehlt es an politischem Willen für substantielle Änderungen, wie das Nein zum Gegenvorschlag zeigt. Der beschwerliche Weg zur Einbürgerung bleibt vorerst unverändert.