Reporter ohne Grenzen warnt vor einem historischen Tiefpunkt in Sachen Pressefreiheit weltweit, während die Schweiz im Ranking um einen Rang aufsteigt. Die USA fallen hingegen um sieben Plätze ab. Laut der Organisation erreicht die globale Pressefreiheit einen nie dagewesenen Tiefstand: Mehr als die Hälfte aller bewerteten Staaten befindet sich in den Kategorien “schwierig” bis “sehr ernst”, verglichen mit 13 Prozent im Jahr 2002. Eine feindselige politische Rhetorik und eine schwache wirtschaftliche Situation belasten den Journalismus, so die NGO. Zudem sind Medienschaffende vermehrt von gesetzlichem Druck betroffen.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen verschlechtern sich am stärksten – ein Indiz für zunehmende Kriminalisierung des Berufsstands. In mehr als 60 Prozent der Länder (110 von 180) hat sich dieser Aspekt verschlimmert, wie Reporter ohne Grenzen berichtet.
“Politische Massnahmen sind unzureichend, um den zahlreichen Gefahren für Journalisten entgegenzuwirken”, kritisiert die Organisation. Die USA erleiden einen Rückschlag und landen auf dem 64. Platz – so schlecht wie noch nie seit Einführung der Rangliste im Jahr 2001.
Die Schweiz erreicht den achten Platz, wird jedoch von rechtlichen Problemen geplagt. Insbesondere die Anwendung des Bankgeheimnisses gegenüber Journalisten sowie zivilrechtliche Maßnahmen zur Blockierung journalistischer Inhalte sind belastend, wie Reporter ohne Grenzen anmerkt. Denis Masmejan, Generalsekretär der Schweizer Sektion, sieht die Schweiz in einer Position, um ein Vorbild für Pressefreiheit zu sein.
Die Organisation kritisiert vorsorgliche Maßnahmen, denen viele Medien ausgesetzt sind, da Gerichte solche Entscheidungen ohne vorherige Anhörung der betroffenen Medien treffen können. Dies stellt eine erhebliche Bedrohung dar. Des Weiteren fordert Reporter ohne Grenzen eine stärkere Berücksichtigung der Informationsmedien im geplanten Gesetz zur Regulierung digitaler Plattformen durch den Bundesrat.
Norwegen führt die Rangliste zum zehnten Mal in Folge an, gefolgt von den Niederlanden und Estland. Am Ende finden sich Eritrea, Nordkorea und China wieder. Syrien verzeichnet den größten Aufschwung aufgrund politischer Veränderungen (von Platz 177 auf 141), während Niger den stärksten Absturz erlebt und um 37 Plätze auf Rang 120 fällt.
Die Bewertung erfolgt nach einem Punktesystem von 0 bis 100, wobei ein höherer Wert eine größere Pressefreiheit anzeigt.