Der Friedensprozess um die Ukraine verläuft schleppend. In einem anderthalbstündigen Telefonat mit Präsident Trump präsentierte sich Wladimir Putin zuversichtlich, obwohl Russland an verschiedenen Fronten unter Druck steht. Als König Charles am Dienstag im US-Kongress zur Unterstützung der Ukraine aufrief und Applaus erntete, betonte er die Notwendigkeit dieser Hilfe für einen dauerhaften Frieden in seiner Rede vor den Abgeordneten. Ein Tag später führte Trump ein ausgedehntes Gespräch mit Putin – nach russischen Berichten herrschte eine andere Stimmung. Beide Präsidenten seien der Meinung, dass die Ukraine den Krieg auf Drängen Europas verlängere, so Putins Außenpolitik-Berater Juri Uschakow. Bislang liegt keine offizielle Transkription des Gesprächs vor, das sich neben der Ukraine auch um die Lage im Golf drehte. Trump bestätigte jedoch am Mittwochabend, dass er mit Putin über einen Waffenstillstand zum Tag des Sieges am 9. Mai gesprochen habe. Zuletzt hatten sich beide Konfliktparteien auf eine zweitägige Feuerpause während des orthodoxen Osterfestes geeinigt. Doch an der Front hielten die Kämpfe weiterhin an. Ukrainischer Präsident Wolodimir Selenski schloss am Donnerstag zwar eine Waffenruhe nicht aus, forderte aber einen dauerhaften Waffenstillstand und Sicherheit für seine Bürger. Die Ukraine strebe Frieden durch diplomatische Mittel an, was auf die eingefrorenen Friedensgespräche mit Russland und den USA hinweist. Der Zeitpunkt weiterer Verhandlungen ist ungewiss. Trump äußerte sich jedoch optimistisch über ein baldiges Ende des Konflikts, da auch Putin angeblich an einer Lösung interessiert sei. Doch diese Aussage sollte kritisch betrachtet werden, da Trump oft russische Positionen unterstützt hat. Im amerikanischen Außenministerium wächst der Unmut über Trumps Verständnis für Russland. Julie Davis, die Leiterin der US-Botschaft in Kiew, gibt ihren Posten nach einem Jahr aus Unzufriedenheit mit der schwindenden Unterstützung für die Ukraine auf – ihr Vorgänger war bereits aus demselben Grund zurückgetreten. Putin zeigt weiter keine Neigung zu Kompromissen und betont, dass Russland seine Kriegsziele erreichen werde. Die Verantwortung liege bei den ukrainischen Truppen, zum Rückzug gezwungen zu sein. Putin sieht eine Verhandlungslösung nur unter der Bedingung von Kiews Zustimmung zu Vorschlägen wie dem Rückzug aus dem Donbass. Der Druck auf die Ukraine ist groß, besonders in Frontstädten wie Kostjantiniwka und Saporischja, das nur noch 30 Kilometer entfernt von den Angreifern liegt. Drohnenangriffe auf zivile Ziele nehmen zu, mit Opfern in Dnipro und Odessa. Die militärische Lage ist komplexer als von Putin dargestellt. Russland verliert laut ukrainischen Quellen mehr Soldaten als es rekrutieren kann und die Kriegskosten steigen. Ukrainische Angriffe auf russische Öl- und Gasinfrastruktur haben schwerwiegende Folgen, wie den Brand in einer Raffinerie in Tuapse zeigt. Drohnen dringen weiter ins russische Hinterland vor, wobei kürzlich eine Anlage in Perm angegriffen wurde. Dies beeinflusst sogar die Feierlichkeiten am 9. Mai, da der Kreml-Sprecher Peskow wegen Terrorgefahr auf das Zeigen von Militärtechnik verzichtet. Dieser Schritt hat symbolische Bedeutung und wird als Demütigung für Putin gesehen. Der ehemalige ukrainische Aussenminister Dmitro Kuleba vermutet, dass Putin nur unter zwei Bedingungen zu einem Waffenstillstand bereit sei: wenn an der Front keine Erfolge mehr erzielt würden und die wirtschaftlichen Lasten für das russische Volk zu hoch seien. Ein baldiges Ende des Konflikts ist jedoch noch nicht absehbar.