Roger Highfield vom Science Museum in London beschreibt Craig Venter als jemanden, der nie zum Diplomaten taugte, aber stets ehrlich und direkt war – mehr noch als einige seiner Kritiker. Über Jahrzehnte hinweg kannten sie sich gut. Bekanntheit erlangte Venter durch seine unerschrockene Herausforderung renommierter Institutionen. In den 1990er Jahren investierte die US-Regierung massiv in das Projekt zur Entschlüsselung des menschlichen Erbguts. Venter trat mit seiner Privatinitiative “Celera Genomics” 1998 auf den Plan und verkündete: “Wir machen es schneller.” Fachleute prognostizierten damals Milliardenkosten und mehrere Jahre für die Sequenzierung eines einzigen Genoms. Venter erkannte, dass entscheidende Rechenkapazitäten der Schlüssel waren. Mit konsequenter Investition gelang ihm ein überraschender Fortschritt. Im Juni 2000 präsentierten Venters “Celera Genomics” und das staatliche “Human Genome Project” gemeinsam die ersten Ergebnisse des entschlüsselten menschlichen Erbguts der Weltöffentlichkeit, wobei Venter das Tempo des staatlichen Projekts erheblich beeinflusste. Die scheinbar harmonische Vorstellung vor den Medien täuschte nicht darüber hinweg, dass Venter viele Gegner hatte. Francis Collins, Leiter des staatlichen “Human Genome Projects”, kritisierte Venters Ansatz als “gefährlich”, da die von ihm gesammelten Daten der wissenschaftlichen Gemeinschaft nicht frei zugänglich waren. Dennoch hielt ihn dies nicht davon ab, geltende Regeln zu brechen. 2010 gelang es seinem Team, das erste synthetische Bakterium zu schaffen, ein Organismus mit einem künstlich hergestellten Erbgut. Venters Ziel war die Entwicklung eines reduzierten Lebewesens mit nur notwendigen Funktionen und Genen. Mit genau 473 Genen konstruiert und in ein lebendes Bakterium integriert, übernahm das künstliche Erbgut die Kontrolle – eine Demonstration dafür, dass Leben wie mit einem Baukasten erschaffen werden kann. Venter forschte nicht nur um des Wissens willen. 2013 gründete er “Human Longevity”, ein Unternehmen, das bis heute Erbgut und Merkmale von vielen Menschen sammelt, um Alterskrankheiten zu bekämpfen. Für jede Person entwarf die Firma einen virtuellen Avatar, der medizinische Informationen über Gene, Eigenschaften und Organe zugänglich machte. Sein Ziel war es, Wissen für ein gesundes Langleben nutzbar zu machen – nicht nur länger leben, sondern auch bedeutsam. Zehn Jahre vor seinem Tod sagte er Roger Highfield am Vorabend seines 69. Geburtstags: “Wenn Du unsterblich sein willst, dann mach was Bedeutungsvolles mit Deinem Leben.”