In Horgen wird ein Regionalspital verkauft, und beim krisengeschüttelten Spital Wetzikon liegt ein mysteriöser Deal auf dem Tisch. Warum herrschen derzeit stürmische Zeiten im Zürcher Spitalwesen? Ende März gab das See-Spital in Horgen bekannt, sein Gebäude und das dazugehörige Land an eine Investmentfirma zu verkaufen. Kurze Zeit später wurde über ein Übernahmeangebot für das finanziell angeschlagene Spital Wetzikon berichtet. Zudem droht die Schliessung der Klinik Lindberg in Winterthur.
Die Gründe für diese Umwälzungen liegen teilweise zwei Jahre zurück, als am 4. April 2024 Natalie Rickli, die Zürcher Gesundheitsdirektorin, vor den Medien verkündete: Der Kanton werde das Spital Wetzikon nicht finanziell unterstützen. Eine Finanzspritze von 180 Millionen Franken war vom Regierungsrat abgelehnt worden, was im Zürcher Oberland und in der Branche für Unruhe sorgte.
Das Spital Wetzikon hatte sich selbst in diese Lage manövriert: 2014 nahm es 170 Millionen Franken durch eine Anleihe auf dem Kapitalmarkt ein, um einen Neubau zu finanzieren – ein Projekt, das nie abgeschlossen wurde. Nach der Einführung neuer Regeln zur Spitalfinanzierung im Jahr 2012 platzte Wetzikon 2013 ebenfalls eine Anleihe wie schon das Spital Limmattal ein Jahr früher.
2024 hätte Wetzikon die Rückzahlung leisten müssen, was jedoch nicht möglich war. Ohne Bereitschaft zur Erneuerung der Anleihe und ohne Unterstützung des Kantons drohten nun Millionenverluste für Pensionskassen, Banken und andere Anleger – ein beispielloser Fall in der Schweizer Finanzgeschichte seit dem Kollaps von Swissair 2001. Das erschütterte das Vertrauen in Spitalanleihen als sichere Geldanlagen.
Große Krankenhäuser und solche, die staatlich sind, können weiterhin leichter Mittel aufnehmen – wie etwa das Kantonsspital Winterthur mit einer erfolgreichen Anleihe über 150 Millionen Franken. Anders sieht es für Regionalspitäler aus.
Das Spital Männedorf löste seine Probleme durch Garantien von Gemeinden in Höhe von 70 Millionen Franken, um eine Anleihe ohne Risikozuschlag zu erneuern. Das See-Spital Horgen verkaufte hingegen sein Gebäude an die Immobiliengesellschaft Infracore und mietet es zurück – eine sogenannte Sale-and-lease-back-Strategie.
Lorenzo Marazzotta, Präsident des Spitals Horgen, betont, der Verkauf sei nach Abwägung aller Optionen die beste Lösung gewesen. Der Mietpreis ist fixiert und an die Teuerung angepasst. Die Stiftung sichert so ihre Existenz für Jahrzehnte.
Aevis Victoria, ein Unternehmen mit dem Westschweizer Investor Antoine Hubert als Hauptakteur, steht hinter Infracore und soll auch in Wetzikon aktiv werden. Der dortige Deal sieht den Verkauf der Gebäude an die amerikanische Investmentgesellschaft Kawa vor. Ein externes Betreiben durch das Swiss Medical Network wird vermutet.
Andreas Schweizer, ein Experte für Spitalfinanzierung, sieht in Wetzikon den politischen Spielraum erst jetzt geöffnet – als letzten Ausweg nach vielen gescheiterten Rettungsversuchen. In Horgen hingegen lobt er die Befreiung von Schuldenlasten und die Professionalität von Infracore.
Das Beispiel der Klinik Lindberg in Winterthur zeigt indes, dass private Betreiber unzimperlich sein können, wenn das Geschäft nicht läuft. Das Swiss Medical Network zieht sich zurück, wodurch den Mitarbeitern Stellenverluste drohen. Das öffentliche Kantonsspital Winterthur plant nun, die Flächen der Klinik für seine Altersmedizin zu nutzen.
Nicht nur private, sondern auch öffentliche Betreiber sind auf Wachstumskurs, da Gesundheitskosten jährlich steigen und bald 100 Milliarden Schweizer Franken erreichen werden.