In der zweiten Runde der Stadtratswahlen am 10. Mai wird Winterthur zwischen einem Kandidaten der SP, Kaspar Bopp, und einem Freisinnigen, Stefan Fritschi, entscheiden. Nur wenige hundert Stimmen trennten sie im ersten Wahlgang. Nach 14 Jahren übergibt Michael Künzle das Amt des Stadtpräsidenten an seinen Nachfolger.
Künzle, der Winterthur seit über zwei Jahrzehnten als Stadtvater prägte, betonte die Bedeutung des persönlichen Kontakts zur Bevölkerung. Die Suche nach einem neuen Stadtoberhaupt zielt nun auf einen erfahrenen Mann aus dem Kreis der amtierenden Stadträte ab. In der finalen Wahlrunde treten Bopp und Fritschi gegeneinander an.
Mit 46 Jahren ist Kaspar Bopp Finanzvorsteher und war bereits vor vier Jahren erfolglos um das Amt des Stadtpräsidenten bemüht. Stefan Fritschi, 54 Jahre alt, leitet seit 2010 die Technischen Betriebe der Stadt. Trotz einer starken SP in Winterthur zeigt sich bei Exekutivwahlen oft ein Persönlichkeitswahlkampf.
Bopp erzielte im ersten Wahlgang etwa 700 Stimmen mehr als Fritschi, während dieser bei den Stadtratswahlen Anfang März die meisten Stimmen holte. Bopp, der vor seinem politischen Engagement in der Finanzbranche tätig war, betont seine Fähigkeit zur Beobachtung und sein Wohlgefühl in öffentlichen Auftritten.
Geboren in einem politisch aktiven Haushalt, verpflichtet Bopp sich linke Ziele wie bezahlbaren Wohnraum und kulturelle Förderung. Als Finanzchef steht er jedoch vor der Herausforderung des finanziellen Sanierungsprozesses der Stadt.
Fritschi hingegen möchte die Attraktivität Winterthurs steigern, um mehr Unternehmen und Privatpersonen anzuziehen. Er betont den Wert von Konsenspolitik und sieht Wachstum als Schlüssel zur Senkung der Steuerlast.
Obwohl beide Kandidaten für Konsens stehen, ist die Wahl auch eine Richtungswahl: Linke oder bürgerliche Führung? Michael Künzle wünscht den Nachfolgern, das Wohl der Stadt stets im Auge zu behalten.