Urs Loher, der Chef von Armasuisse, steht im Fokus intensiver Kritik. Im Gespräch mit Journalisten verteidigt er seine Entscheidungen und warnt vor den Konsequenzen eines Neins zur Lockerung der Waffenexporte. Loher wird gefragt, wie es um seinen Posten bestellt ist, nachdem Berichte über Unregelmäßigkeiten im Kaufvertrag für F-35 Kampfflugzeuge aufgetaucht sind. Er entgegnet, dass die Vorwürfe unbegründet seien und er als Rüstungschef bereits zu Beginn seiner Amtszeit unabhängige Gutachten in Auftrag gegeben habe. Seit Dienstag werden Unterschriften gegen den Kauf der amerikanischen Kampfflugzeuge gesammelt. Loher erklärt, dass Flugzeugbeschaffungen häufig emotional diskutiert werden. Das Volk hatte 2020 jedoch bereits für neue Kampfjets gestimmt, die in der aktuellen geopolitischen Lage notwendig sind. Er zeigt ein Modell des ersten F-35, das aus den USA importiert wird und dessen Produktion begonnen hat. Trotz seiner Bemühungen steht Loher unter medialer Kritik, doch er versichert, dass bei einem Misstrauensvotum eine Lösung gefunden würde. Er betont, dass es nicht primär um seine Person gehe und kritisiert den geringen Investitionsanteil der Schweiz in die Verteidigung im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Loher beschreibt die aktuelle Lage als herausfordernd: Die Schweiz ist kaum gegen Luftangriffe gerüstet. Er spricht von einem „fast nichts“ an Schutz, wobei nur acht Prozent der Landesfläche mit veralteten Systemen geschützt werden können. Obwohl geplant war, 55 bis 70 Kampfflugzeuge zu beschaffen, muss die Schweiz eine Übergangslösung in Betracht ziehen. Die Verzögerungen bei den amerikanischen Luftverteidigungssystemen Patriot um mindestens vier Jahre belasten die Pläne zusätzlich. Loher betont, dass es nicht nur um Kampfflugzeuge geht. Er verweist auf Dänemark, das trotz verschiedener Systeme eine funktionierende Verteidigungsstruktur etabliert hat. Die Schweiz muss sich angesichts der knappen Verfügbarkeit von Waffensystemen mit dem zufriedengeben, was erhältlich ist. Er plant bis 2027 die Evaluation zusätzlicher Systeme und betont die Notwendigkeit einer zukunftsgerichteten Rüstungsindustrie in der Schweiz. Trotz restriktiver Exportbedingungen sieht er Potenzial, das durch internationale Kooperationen genutzt werden könnte. Loher spricht sich für eine Lockerung der Waffenexporte aus und warnt vor den Folgen eines Referendums gegen diese Maßnahme. Ohne entsprechende Anpassungen droht die Abhängigkeit von Importen kritischer Rüstungsgüter, was die Durchhaltefähigkeit der Armee gefährden würde. Er betont die Notwendigkeit für die Schweiz, proaktiv zu agieren, statt in Krisenzeiten erst reagieren zu müssen. Trotz der Herausforderungen ist Loher überzeugt, dass mit seinen Entscheidungen langfristig Verbesserungen erzielt werden können.