Der lange ersehnte Scudetto bringt Erleichterung für Inter Mailand, das von der Schmach der “zeru tituli” geprägt war. Trainer Cristian Chivu vollbringt mit diesem Erfolg ein kleines Kunstwerk, doch bald könnte die Euphorie in Enttäuschung umschlagen.
In Mailands Piazza Duomo zündeten Menschen Feuerwerkskörper und schwenkten Fahnen, während im Stadio San Siro eine ähnliche Feststimmung herrschte. 75.000 Fans strömten zum Spiel gegen Parma, das Inter mit einem 2:0-Sieg für sich entschied. Marcus Thurams Tor kurz vor der Halbzeitpause löste Erleichterung aus und Henrikh Mkhitaryans Treffer in der 80. Minute ließ die Zuschauer jubeln.
Inter feierte den Meisterschaftstitel endlich wieder im eigenen Stadion, nachdem seit dem letzten Heimsieg am 28. Mai 1989 – als Lothar Matthäus Inter zum Scudetto verhalf – viel Zeit vergangen war. Beim Titelgewinn vor zwei Jahren waren die Fans nur Gäste beim Derby gegen den AC Milan. Nun ist der Sieg endlich zu Hause gefeiert worden.
Trotz der Freude könnte bald Ernüchterung folgen, da dieser Titel eher als Trostpflaster gesehen wird. Kapitän Martínez bezeichnet ihn als “Lohn für unsere harte Arbeit nach den Problemen der Vorsaison” und betont die Lasten der vergangenen Saison.
Die Schmach des Vorjahres lastete schwer: In der Serie A dominierte Inter, scheiterte in Paris St. Germain im Champions-League-Finale mit 5:0 und verlor den nationalen Pokal gegen Milan sowie den Meistertitel an Napoli. Diese Niederlagen führten zum Abschied des Erfolgstrainers Simone Inzaghi.
Unter Chivu, der in der Königsklasse auf Bodö/Glimt traf, konnte Inter nicht mehr mit früheren Erfolgen mithalten. Die Serie A bot jedoch Raum für Aufholjagden wie das 6:2 gegen Pisa. Hauptkonkurrenten wie Milan und Napoli schwächten sich selbst oder fehlten vollständig.
Chivu sorgte für eine ausgewogene Verteilung zwischen Stammspielern und Ergänzungsspielern. Junge Talente wie Pio Esposito und Ange-Yoan Bonny trugen entscheidend zum Erfolg bei, mit elf Toren zusammen.
Martínez lobt Chivu für frische Ideen, die er dem bestehenden Spielstil hinzufügte. “Wir haben von ihm gelernt, und er hat sich auch von uns helfen lassen,” fasste der Argentinier das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft zusammen.
Chivu vollbrachte somit ein kleines Kunstwerk: Er verlängerte einen scheinbar endenden Erfolgsweg um ein Jahr. Die Coppa Italia könnte als Sahnehäubchen folgen. Der Sprung vom Retter in Parma zum Meistertrainer bei Inter gelang ihm innerhalb eines Jahres.
Nun steht die größere Herausforderung bevor: der Neuaufbau und die Verjüngung des Teams. Mit dem Ende von Spielern wie Yann Sommer, Mkhitaryan, Francesco Acerbi und Matteo Darmian müssen zahlreiche Schlüsselspieler den Klub verlassen.
Giuseppe Marotta, Inter-Präsident, sieht Chivu als geeignet für diese Aufgabe. Er versicherte ihm eine langfristige Zukunft bei Inter. Chivu muss nun die nächste Transformation bewältigen: von einem Retter über einen Nachfolger hin zu einem Gestalter eines neuen Erfolgszyklus.