Eine Minderheit sieht Fluglärm als Problem: Eine Umfrage des Forschungsinstituts Sotomo liefert aufschlussreiche Ergebnisse. Trotz politischer Debatten um den Fluglärm unterstützen die Stimmenden bei Volksabstimmungen konsequent die Interessen des Zürcher Flughafens, was zuletzt bei der Zustimmung zu Pistenverlängerungen mit 62 Prozent deutlich wurde.
Aktuell steht eine Volksinitiative zur Einschränkung der Betriebszeiten im Raum. Die Umfrage, die Aviationsuisse beim Sotomo-Institut in Auftrag gegeben hat, untersucht erstmals die Verankerung der Luftfahrt in der Bevölkerung. 61 Prozent sehen Flugreisen positiv und 80 Prozent betrachten die Luftfahrt als wirtschaftlich bedeutsam. Auch die Idee eines internationalen Drehkreuzes Zürichs wird von 79 Prozent befürwortet, während 80 Prozent gegen kürzere Betriebszeiten sind.
Besonders aufschlussreich ist der Teil der Umfrage unter Anrainern des Flughafens. Von den Befragten rund um den Zürcher Flughafen empfinden nur 8 Prozent die Lärmbelastung als sehr hoch, weitere 26 Prozent als eher belastend. Die Mehrheit sieht im Fluglärm kein Problem, und etwa die Hälfte hält die bestehenden Nachtruhezeiten für angemessen. Nur ein Viertel wünscht sich strengere Vorschriften.
Aktuell ist in Zürich zwischen 6 Uhr morgens und 23:30 Uhr Betriebszeit erlaubt, was laut Flughafenverantwortlichen die strikteste Nachtruhe im europäischen Vergleich darstellt. In Genf hingegen fühlen sich 43 Prozent der Bevölkerung durch den Lärm gestört.
Andreas Schürer von Aviationsuisse kommentiert, dass es immer wieder den Eindruck erweckt habe, eine laute Minderheit treibe die Politik an. Die Umfrage bestätige dies, was ihn betrübt macht, insbesondere da der Kantonsrat einer Initiative zum Thema Nachtruhe einen Gegenvorschlag gegenübergestellt hat.
Die Initiative verlangt eine Begrenzung der Flugzeiten auf 23 Uhr, was jedoch nicht umsetzbar ist, da der Bund die Regelungen für Zürich festlegt. Der Kantonsrat unterstützte in erster Lesung einen Gegenvorschlag, der voraussichtlich in Kraft treten wird, sollten die Initianten ihr Volksbegehren zurückziehen.
Dieser Gegenvorschlag gilt jedoch als zahnlos, wie auch die mangelnde Kampfeslust bei den Grünen während der Debatte zeigt. Diese Haltung könnte mit der hohen Zustimmung für den Flughafen in den vergangenen Urnengängen zusammenhängen, was sich auch in der aktuellen Umfrage widerspiegelt.