In der Schweiz obliegt die Verantwortung für den Schutz von Ortsbildern hauptsächlich den Gemeinden. Auf nationaler Ebene erstellt das Bundesamt für Kultur (BAK) ein Inventar, welches schweizweit Ortsbilder nach standardisierten Maßstäben bewertet und deren Bedeutung beurteilt. In diesem Bundesinventar sind etwa 1200 Ortschaften von nationaler Relevanz aufgeführt.
Die Bewertungen erfolgen regelmäßig, wobei einige Orte neu hinzugefügt oder entfernt werden. Diese Entscheidungen trifft der Bundesrat, basierend auf Vor-Ort-Besuchen der Isos-Mitarbeitenden. Die Bewertung erfolgt nach einem Kriterienkatalog mit Punkten zwischen 1 und 4, wobei mindestens 7 Punkte für den Erhalt benötigt werden.
Im Bündner Val Lumnezia führte die jüngste Überprüfung zu einer Aufnahme und einem Ausschluss. Die Ortschaft Cons wurde neu in das Isos aufgenommen, während Degen entfernt wurde. Dieses Dorf war seit 1988 im Inventar verzeichnet, doch laut Marcia Haldemann, der Leiterin von Isos, hat die jüngste Bautätigkeit die Verbindung zur Kulturlandschaft geschwächt.
Daniel Solèr, Präsident der Gemeinde Lumnezia, betont, dass die Entwicklung im Dorf wichtiger sei als ein Eintrag im Bundesinventar. Es gehe darum, den lokalen Charakter zu bewahren, ohne das Wachstum und die Lebensqualität für junge Familien zu beeinträchtigen. Obwohl der Schutz der Ortskerne wichtig ist, dürfe er nicht die Entwicklung hemmen. Solèr verweist darauf, dass es essentiell sei, im Tal zu wohnen, anstatt starr auf den Inventarstatus fixiert zu sein.
Obwohl Degen nun vom Isos-Liste gestrichen wurde, sieht Solèr keinen Verlust in Bezug auf Tourismus oder Identität. Vielmehr könnte das Ausscheiden die Entscheidungsfindung bei Baugesuchen vereinfachen. Die Gemeinde sei sensibilisiert und werde weiterhin einen Ausgleich zwischen Tradition und Modernem anstreben.