Auf einer Reise von Argentinien zu den Kapverden erkrankten sechs Menschen, bei drei davon endete die Krankheit tödlich. In zwei Fällen wurde das Hantavirus bestätigt, das normalerweise durch Nagetierkot übertragen wird. Forscher erwägen jedoch auch eine seltene Mensch-zu-Mensch-Übertragung.
Das Kreuzfahrtschiff MS “Hondius”, bekannt für seine Umweltfreundlichkeit und Innovation, ist in einen ernsten Gesundheitsvorfall verwickelt. Die Reederei Oceanwide Expeditions musste drei Todesopfer sowie drei schwere Erkrankungen an Bord melden. Bei zwei Erkrankten konnte das Hantavirus nachgewiesen werden, das schwerwiegende Atemwegssymptome bis hin zum Tod hervorrufen kann.
Die “Hondius” sollte die kapverdische Hauptstadt Praia anlaufen, doch aufgrund der Gesundheitsrisiken wurde das Anlegen untersagt. Die Schiffe bleiben nun vor den Kapverden im Atlantik. Zwei Besatzungsmitglieder mit Atemwegserkrankungen sollen in ein lokales Krankenhaus verlegt werden. Ein britischer Staatsbürger befindet sich bereits in kritischem Zustand in einem südafrikanischen Krankenhaus und ist der erste bestätigte Hantavirus-Fall.
Die Reederei erwägt einen Umweg nach Teneriffa oder Las Palmas, um die Passagiere landen zu lassen. Hier könnten medizinische Untersuchungen unter Aufsicht der WHO stattfinden. Die “Hondius” begann ihre Reise in Ushuaia mit etwa 150 Touristen und 23 Nationalitäten sowie 61 Besatzungsmitgliedern.
Drei Todesfälle ereigneten sich während der Kreuzfahrt: ein 70-jähriger Niederländer kurz nach Abfahrt, seine 69-jährige Partnerin in Südafrika und eine deutsche Person. Die südafrikanische Gesundheitsbehörde gab bekannt, dass die Leiche des niederländischen Opfers auf St. Helena landete.
Das Hantavirus führt zu Symptomen wie hohem Fieber und Schmerzen, wobei nord- und südamerikanische Varianten vor allem Atemwegserkrankungen verursachen können, mit einer Sterblichkeitsrate von bis zu 50 Prozent. Die Übertragung erfolgt meist durch Nagetiere, selten zwischen Menschen.
Die WHO betont weiterhin ein geringes Risiko für die Öffentlichkeit und gibt Entwarnung bezüglich Reisebeschränkungen. Es bleibt unklar, wie sich das Virus auf dem Schiff verbreitete; es könnten infizierte Nagetiere oder eine gemeinsame Exposition vor der Abfahrt verantwortlich sein. Eine besorgniserregende Möglichkeit ist die Zirkulation einer Variante mit menschlicher Übertragung.
Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin merkt an, dass eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung bei engem Kontakt möglich sein könnte. Eine genaue Ursache wird durch Sequenzierungen geklärt.
Behandlung des Virus umfasst Ruhe und Flüssigkeitszufuhr; Impfstoffe existieren nicht. Die Krankheit kann Wochen nach der Infektion auftreten. Obwohl selten, gab es in Europa seit 2000 jährlich etwa 3000 Fälle, besonders häufig in Deutschland, Finnland, Österreich und Slowenien.
Zuletzt war das Hantavirus durch den Tod der Pianistin Betsy Arakawa bekannt geworden. Sie verstarb an Lungenversagen aufgrund des Virus im US-Bundesstaat New Mexico.