Das Universitätsspital Zürich hat nach einem umfangreichen Bericht wegen elf Todesfällen sowie missbräuchlicher Implantateinsetzungen Strafanzeige erstattet. Die Affäre zieht auch den Rücktritt von drei ehemaligen Mitgliedern des Spitalrats nach sich.
Bereits seit sechs Jahren steht das Spital wegen der sogenannten “Maisano-Affäre” in der Kritik, und ein neuer Bericht bestätigt nun die Vorwürfe. Die Behauptung der damaligen Leitung, dass unter Chefärztin Francesco Maisano keine Patienten zu Schaden gekommen seien, wird widerlegt.
Unter der Leitung von ehemaligem Bundesrichter Niklaus Oberholzer hat eine Untersuchungskommission insgesamt 307 Todesfälle zwischen Oktober 2014 und Mai 2020 analysiert. Sie stellte fest, dass 68 bis 74 Patientinnen und Patienten hätten überleben können, wenn die Behandlungen den gängigen Standards entsprochen hätten.
Die Kommission kritisiert nicht nur Francesco Maisano für gravierende Fehler, sondern auch die damalige Spitalleitung und -verwaltung für Passivität und unzureichendes Handeln trotz bekannter Probleme. Die aktuelle Leitung des Spitals bezeichnet sich in einer Mitteilung als “tief betroffen” von den Vorfällen und entschuldigt sich bei den Betroffenen.
Es wurden 24 Fälle, darunter elf Todesfälle und dreizehn unangemessene Implantateinsätze, der Zürcher Staatsanwaltschaft zur Prüfung übergeben. Die Behörde muss nun entscheiden, ob ein Strafverfahren eingeleitet wird.
Erstmals kamen die Missstände 2020 ans Licht, als ein Whistleblower Maisano schwerwiegende Vorwürfe machte: das Risiko der Patienten durch selbstentwickelte Implantate sowie persönliche Bereicherung und Unterschlagung von Interessenkonflikten.
Zunächst wurde eine externe Anwaltskanzlei eingesetzt, deren Bericht Maisanos wissenschaftliches Fehlverhalten bestätigte, jedoch nicht die Gefährdung der Patienten. Die Aufsichtskommission des Kantonsparlaments stellte organisatorische Mängel fest und empfahl Änderungen.
Maisano wurde im Herbst 2020 entlassen. Der Vorwürfe bestritt er stets. Doch neue Anschuldigungen von Paul Vogt, dem Nachfolger Maisanos, brachten die Angelegenheit wieder ins Rampenlicht. Vogt beschrieb die Zustände zwischen 2016 und 2020 als katastrophal.
Nach anfänglichem Widerspruch gegen die neuen Vorwürfe entschied sich das Spital letztendlich für eine weitere Untersuchung, deren Ergebnisse nun vorliegen. Nach mehreren hundert Reformen betont die aktuelle Führung, dass die Klinik unter Omer Dzemali seit Ende 2022 den internationalen Standards eines renommierten Herzzentrums entspricht.
Zum symbolischen Neuanfang legten drei ehemalige Mitglieder des Spitalrats ihre Ämter nieder.