Im Erdgeschoss des Migros Museums für Gegenwartskunst ist aktuell eine beeindruckende Szene zu sehen: Ein junger schwarzer Mann flieht vor der britischen Polizei, die ihn schließlich gewaltsam überwältigt – ein Zeitdokument aus den sozialen Unruhen in Birmingham 1985. Im oberen Stockwerk hingegen wird auf weiteren Monitoren der weltweite Frauenprotest für mehr Rechte gezeigt. Videos dokumentieren ebenfalls die Kämpfe von Geflüchteten um ein besseres Leben. Diese Szenen sind Teil des «Disobedience Archive», einer Sammlung, die sich mit zivilem Ungehorsam beschäftigt.
Yasmin Naderi Afschar, Co-Leiterin des Museums, erläutert: «Es geht hier nicht um reine Verweigerung, sondern darum, zusammen neue Perspektiven für das Zusammenleben zu entwickeln.» Die aktuelle Jubiläumsausstellung «Disobedience Archive (Canopy for Broken Time)» entspricht nach ihren Worten ganz der Philosophie des Museums: «Zeitgenössische Kunst dient uns als Werkzeug, sich mit unserer Realität auseinanderzusetzen und Räume für solche Diskurse zu schaffen.»
Seit 30 Jahren trägt das Migros Museum dieser Idee Rechnung. Am 5. Mai 1996 öffnete es im Zürcher Löwenbräu-Areal seine Türen, um die Kunstsammlung der Migros einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Ursprung der Sammlung reicht bis in die 1950er-Jahre zurück, als Gottlieb Duttweiler begann, Schweizer Kunstschaffende und die allgemeine Kulturszene zu fördern.
Yasmin Naderi Afschar betont: «Von Beginn an lag ein Fokus auf der Förderung nationaler und internationaler Kunstschaffender.» Zahlreiche heute weltbekannte Künstlerinnen und Künstler, wie Bruce Naumann oder Maurizio Cattelan, hatten ihre frühen Ausstellungen im Migros Museum.
Seit drei Jahren ist der Eintritt in das Migros Museum kostenfrei – eine bewusste Entscheidung angesichts gesellschaftlicher Herausforderungen. Yasmin Naderi Afschar erklärt: «In Zeiten von Vereinzelung und Polarisierung wird das Museum als Begegnungsstätte immer wichtiger.»
Das Migros Museum versteht sich weiterhin als Ort des sozialen Austauschs und der gesellschaftlichen Reflexion – ganz im Geiste seines Gründers Gottlieb Duttweiler. Die Ausstellung «Disobedience Archive (Canopy for Broken Time)» läuft noch bis zum 25. Mai.
Radio SRF2 Kultur, Kultur-Aktualität, 5.5.2026, 8:06 Uhr.