In zwölf der 16 deutschen Bundesländer finden seit dem frühen Morgen Durchsuchungen bei mutmaßlichen Rechtsextremisten statt. Diese Maßnahmen richten sich gegen die Gruppen «Jung und Stark» sowie «Deutsche Jugend Voran», wie eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte. 36 Personen werden beschuldigt, diese kriminellen Vereinigungen gegründet oder Mitglieder gewesen zu sein.
Die Behörde geht davon aus, dass die Beschuldigten führende Rollen innerhalb dieser Gruppierungen einnahmen. Viele von ihnen sollen als Rädelsführer agiert haben. Gegen acht der Angeklagten laufen Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung.
Der jüngste Beschuldigte ist 16 Jahre alt. Es sind keine Festnahmen geplant, lediglich Durchsuchungen werden durchgeführt. Nicht betroffen von den Maßnahmen sind Baden-Württemberg, Thüringen, Hamburg und Bremen.
Nach Angaben der Bundesanwaltschaft bestehen die Gruppen seit Mitte 2024. Sie organisieren sich bundesweit mit Regionalgruppen in verschiedenen Ländern. «Deutsche Jugend Voran» tritt gelegentlich unter dem Namen «Neue Deutsche Welle» auf. Die Mitglieder vernetzen sich über soziale Medien und bei regelmäßigen Treffen, wo sie zu Gewalttaten gegen politische Gegner und vermeintliche Pädophile aufstacheln.
Einige Beschuldigte sollen Mitglieder der linken Szene oder Personen angegriffen haben, die sie für pädophil hielten. Dabei wurden die Opfer von mehreren Angreifern geschlagen und erlitten schwere Verletzungen.
In den vergangenen Jahren kam es zu Angriffen auf Veranstaltungen wie den Christopher Street Day, der sich an lesbische, schwule und queere Menschen richtet.
Das Bundeskriminalamt berichtete Mitte 2025 von neu auftretenden Jugendgruppen in der rechten Szene, die zunächst im Internet gegründet wurden. Diese seien mittlerweile durch öffentliche Veranstaltungen, Störaktionen und Straftaten auffällig geworden.
Die größte dieser Gruppe war damals «Jung und Stark» mit einer Anhängerschaft von mehreren hundert Mitgliedern. Die Zahl der Anhänger von «Deutsche Jugend Voran» wurde auf über 100 geschätzt.
Zu weiteren relevanten Vereinigungen zählen «Der Störtrupp» sowie die Gruppe «Letzte Verteidigungswelle», deren mutmaßliche Mitglieder aktuell in Hamburg wegen diverser Gewalttaten angeklagt sind.
SRF4 News, 6.5.2026, 10:30 Uhr