Ein ehemaliger Kantonspolizist, der später zum Bundessicherheitsdienst wechselte, steht im Verdacht, für die Drogenmafia gearbeitet zu haben. Der heute zwischen 40 und 50 Jahre alte Mann soll während seiner Zeit bei Fedpol sensible Informationen an kriminelle Gruppierungen verkauft haben. SRF kennt seine Identität, jedoch gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Beim Bundesamt für Polizei arbeitete er zunächst im Bereich der internationalen Polizeikooperation, eine Schlüsselstelle für sensible und internationale Daten. Kurz vor zwei Jahren wechselte er als Personenschützer zum Bundessicherheitsdienst, ohne zum Kader zu gehören. In beiden Rollen hatte er Zugang zu vertraulichen Informationen.
Fedpol bestätigt gegenüber SRF, dass der Beschuldigte auf Daten zugreifen konnte, die sich auf Ermittlungen gegen organisierte Kriminalität bezogen. Auch Mitarbeiter des Bundessicherheitsdienstes könnten je nach Funktion auf solche Informationen zugreifen müssen, beispielsweise zur Einschätzung von Bedrohungen für die innere Sicherheit oder Schutzpersonen.
Die ehemalige Bundesstaatsanwältin Rosa Maria Cappa erklärt, dass Mafiagruppen an allen Arten von Informationen interessiert sein könnten. Wichtig sei es, Polizeieinsätze vorherzusehen und zu antizipieren. Es bleibt unklar, wann genau der Beschuldigte begann, Daten an die Mafia weiterzugeben – möglicherweise schon bei seiner früheren Tätigkeit in der internationalen Polizeikooperation.
Fedpol hat auf erste Verdachtsmomente mit Sofortmassnahmen reagiert. Dazu gehörten Anpassungen bei der Aufgabenzuweisung und ein Monitoring der Informationszugriffe, um Risiken zu minimieren. Die Behörde äussert sich nicht zur Identität des Beschuldigten, um den Persönlichkeitsschutz zu wahren.
Der Fedpol-Mitarbeiter und fünf weitere mutmassliche Mitglieder einer Drogenmafia-Gruppierung befinden sich in Untersuchungshaft. Ein Strafverfahren läuft bereits, während Fedpol intern das Geschehene aufarbeitet.