Ein Ausbruch des Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff hat derzeit die Medien auf sich gezogen. Wir haben mit Isabella Eckerle, einer deutschen Virologin und außerordentlichen Professorin an den Universitätskliniken in Genf, über die Umstände und Risiken gesprochen. Seit 2018 leitet sie dort die Abteilung für Infektionskrankheiten und forscht zur Entwicklung von Zelllinien. In der COVID-19-Pandemie beschäftigte sich Eckerle mit der Rolle von Kindern bei der Virusübertragung.
SRF News: Wie kam es zu einem solchen Ausbruch auf dem Schiff?
Isabella Eckerle: Wir wissen, dass Viren unter bestimmten Bedingungen, wie viele Menschen auf engem Raum, ungewöhnliche Übertragungsereignisse hervorrufen können. Kreuzfahrtschiffe bieten dafür ideale Bedingungen, ähnlich wie bei SARS-CoV-2 oder Norovirus-Ausbrüchen. Die Kontrolle ist dort komplizierter als an Land. Wahrscheinlich haben sich unglückliche Umstände zu diesem Ausbruch geführt.
Könnte das Virus mutiert sein?
Wir können es nicht ausschließen, da die Sequenzierung noch läuft. Allerdings sind Hantaviren eng mit ihren Wirtstieren, Mäusen oder Ratten, verbunden und haben dort keinen Anlass zur Mutation. Mensch-zu-Mensch-Übertragungen könnten jedoch eine Veränderung bewirken, was derzeit aber nicht erwartet wird.
Könnte es bei mehr Übertragungen zwischen Menschen mutieren?
Ja, RNA-Viren passen sich an einen neuen Wirt durch Mutationen an. Bei langen Übertragungsketten im Menschen könnte das geschehen. Es ist wichtig, Ausbrüche frühzeitig zu kontrollieren. Wir wissen noch nicht genau, ob es Ansteckungen in Argentinien gab oder eine Infektionsquelle auf dem Schiff vorlag. Mensch-zu-Mensch-Übertragungen sind denkbar, aber der definitive Beweis fehlt. Wir benötigen sequentielle Daten und eine genaue epidemiologische Untersuchung.
Wie überraschend ist ein solcher Ausbruch?
Solche Ereignisse treten bei seltenen Viren immer wieder auf. Sie sind nicht leicht übertragbar, aber durch Zufall oder unglückliche Umstände kann es zu Ausbrüchen kommen. Ich sehe keine Relevanz für die allgemeine Bevölkerung und rechne nicht mit einem neuen Pandemie-Virus. Trotz der Tragik für Betroffene ist das Ereignis selbst nicht beunruhigend.
Kann es auch bei seltenen Erkrankungen zu größerem Ausbruch kommen?
Das würde ich nicht als großen Ausbruch bezeichnen. Die erhöhte Aufmerksamkeit seit der Covid-19-Pandemie ist bemerkenswert. Für Virologen sind solche Ereignisse Alltag, wären aber vor 2020 weniger beachtet worden. Diese Fälle führen selten zu größeren Ausbrüchen und werden kontrolliert.
Wann wissen wir sicher, ob das Virus mutiert ist?
Die Sequenzierung läuft noch und dauert länger als ein PCR-Nachweis. Mehrere WHO-Referenzlabore sind beteiligt. In den nächsten Tagen sollten wir mehr über die genetische Ausstattung des Virus erfahren.
Das Gespräch führte Julius Schmid.
SRF 4 News, 7.5.2026, 8:30 Uhr