Die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft, die vom 11. Juni bis zum 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen wird, könnte möglicherweise nicht im bevölkerungsreichsten Land der Welt übertragen werden. Wie eine Reuters-Recherche herausfand, fordert der Weltfußballverband Fifa für die Übertragungsrechte in Indien 100 Millionen Dollar – ein Betrag, für den bislang nur das Angebot von Reliance-Disney mit 20 Millionen Dollar vorliegt. Obwohl die Fifa offenbar bereit wäre, weniger als ihr ursprüngliches Forderungsniveau zu akzeptieren, reicht dieses Angebot nicht aus.
In Indien ist Fußball im Vergleich zu anderen Sportarten eher zweitrangig. Die Spiele der kommenden WM auf dem amerikanischen Kontinent erscheinen aufgrund einer Zeitverschiebung von 10 bis 12 Stunden unattraktiv für die indische Bevölkerung – wer möchte schon in der Nacht oder frühmorgens Fußball schauen? Dieses geringe Zuschauerinteresse führt zu weniger erwarteten Werbeeinnahmen, wodurch sich TV-Anstalten von einer Übertragung abwenden.
Auch mit China hat die Fifa noch keine Vereinbarung über die Übertragungsrechte getroffen, obwohl Fußball dort populärer ist als in Indien. Warum das chinesische Staatsfernsehen bislang nicht zustande gekommen ist, bleibt laut Reuters unklar.
Dass die chinesische Nationalmannschaft bei der WM nicht teilnehmen wird, steht außer Frage, da sie sich in ihrer Qualifikationsgruppe nur auf dem zweitletzten Platz platzierte. Indien hingegen hat Cricket als Nationalsport etabliert und investiert hier Millionen für Übertragungs- und Streamingrechte – ein Bereich, der lukrative Werbeeinnahmen verspricht. Im Fußball konnte sich die indische Nationalmannschaft nie für eine Endrunde qualifizieren; Interesse besteht hauptsächlich an internationalen Ligen wie der englischen Premier League oder der Bundesliga.
Trotz allem scheint ein endgültiges Urteil über die Übertragungsrechte in Indien noch nicht gefallen. Maren Peters, SRF-Südasienkorrespondentin, vermutet, dass eine Einigung bis zum WM-Start möglich sei: “Ein wenig Geld lässt sich auch mit Fußball in Indien verdienen, und die Fifa dürfte dieses Potenzial nutzen wollen.”