Ein Whistleblower, ein Klinikdirektor und eine Kantonsrätin spielten entscheidende Rollen bei der Aufdeckung von Fehlern in der Herzklinik des Zürcher Universitätsspitals. Zwischen 2014 und 2020 starben dort ungewöhnlich viele Patienten – ein Skandal, den die Untersuchungen des ehemaligen Bundesrichters Niklaus Oberholzer zutage brachten. Die Geschichte zeigt auch unbequeme Persönlichkeiten, die bis zum Ende nicht lockerliessen. André Plass war einer dieser Figuren, dessen Whistleblowing die Missstände ans Licht brachte. 2020 erschien in den Tamedia-Zeitungen ein Artikel über Francesco Maisanos geschönte Berichte zu einem von ihm entwickelten Implantat. Dieser war nur möglich, weil Plass seine Vorwürfe an die Spitaldirektion und später an politische Verantwortliche herangetragen hatte. Plass blieb anonym, bis ihn eine «Weltwoche»-Publikation outete. Eine Untersuchungskommission des Zürcher Kantonsparlaments bestätigte einige seiner Anschuldigungen Ende 2020/Anfang 2021. Trotzdem wurde Plass entlassen und als Querulant dargestellt, dessen Reputationsschaden irreparabel war. Paul Vogt, der Maisano im Juli 2020 ablöste, berichtete vor Gericht von desaströsen Zuständen unter seinem Vorgänger und erhielt unerwartet Unterstützung durch anonyme Strafanzeigen gegen sich. Diese führten zu einer umfassenden Untersuchung, die seine Anschuldigungen bestätigte. Linda Camenisch, eine FDP-Kantonsrätin, forderte trotz Parteiloyalitäten eine Aufarbeitung der Missstände. Ihre Initiative führte zu weiteren Ermittlungen und einer umfassenden Untersuchung durch das Unispital, was sie als notwendigen Druck betrachtet. Camenischs Hartnäckigkeit spiegelte sich in ihrer Interpellation wider, die eine strafrechtliche Überprüfung vor der Verjährung forderte.