Während des russischen Pavillons demonstrierten Aktivistinnen, darunter Mitglieder von Femen und Pussy Riot mit entblösten Brüsten. Sie skandierten «Tod in Venedig, Russland, geh nach Hause!» im Bezug auf Thomas Manns Roman. Rauchpetarden färbten den wolkenverhangenen Himmel über dem Biennale-Gelände mit den Farben der ukrainischen Flagge, während Carabinieri zum Schutz des russischen Pavillons abgestellt wurden.
Pietrangelo Buttafuoco, Präsident der Biennale und ehemaliger Kulturminister unter Giorgia Meloni, bleibt bei seiner Politik unverändert, trotz EU-Sanktionen in Höhe von 2 Millionen Euro wegen Russlands Teilnahme. Der italienische Kulturminister aus Melonis Regierung blieb der Eröffnung am 6. Mai fern. Die Eröffnungsfeier wurde ebenfalls abgesagt. Zudem trat die internationale Jury für die Vergabe der Biennale-Preise zurück.
Erstmals seit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine im Jahr 2022 ist Russland wieder bei der Kunstbiennale vertreten. Buttafuoco betonte, dass die Biennale ein Ort des Dialogs und nicht des Gerichts sei, wobei Boykotte und Ausschlüsse vermieden werden sollen.
Pro-Palästina-Demonstranten blockierten den Zugang zum israelischen Pavillon im Ausstellungsareal des Arsenale. Dieser wurde dorthin verlegt, da der Pavillon in den Giardini wegen Renovierungen nicht genutzt werden kann. Die Demonstranten bezeichneten das Gebäude als «Genozid-Pavillon».
Im starken Gegensatz dazu steht Belu-Simion Fainarus meditative Installation im Inneren des israelischen Pavillons, inspiriert von Paul Celans Gedicht “Todesfuge”, welches die Shoah thematisiert. Die internationale Jury reagierte mit ihrem Rücktritt auch auf diesen Auftritt.
Die Jury begründete ihren Schritt damit, Preise an Länder zu verweigern, deren Regierungen von der Haager Staatsanwaltschaft beschuldigt werden, Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben. Ein Haftbefehl gegen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu liegt beim Internationalen Strafgerichtshof vor.
Die Vergabe der beiden Hauptpreise wird auf den letzten Tag der Ausstellung im November verschoben, wobei das Publikum über die Preisträger entscheidet. Zusätzlich zog Iran kurz vor dem offiziellen Eröffnungstermin am 9. Mai seine Teilnahme zurück, ohne Begründung.