Nach langer Abstinenz kehrt der italienische Staat in die Telekommunikationsbranche zurück, indem er Telecom Italia (TIM) unter die Kontrolle des staatlichen Unternehmens Poste Italiane bringen möchte. Das Holdingunternehmen, bekannt für seine Verwaltung der italienischen Post, hat ein Übernahmeangebot von 10,8 Milliarden Euro vorgelegt.
Der Plan sieht vor, TIM vollständig zu übernehmen und unter dem Dach des staatlichen Postkonzerns eine integrierte Plattform für Telekommunikation, Logistik, Finanzdienstleistungen und digitale Infrastrukturen zu schaffen. Dieses Vorhaben soll Italien einen «nationalen Champion» liefern. Trotz der strategischen Vorteile stieß das Angebot bei den Anlegern auf Skepsis; die Aktien von Poste Italiane verloren 5,6 Prozent ihres Wertes an einem Montagnachmittag, während die TIM-Aktien um 6 Prozent zulegten.
Mit der Übernahme würde der italienische Staat einen bedeutenden Einfluss auf ein Unternehmen mit einem Umsatz von 26,9 Milliarden Euro und mehr als 150.000 Mitarbeitern gewinnen. Die öffentliche Hand ist über das Finanzministerium und die Staatsbank Cassa Depositi e Prestiti zu 65 Prozent an Poste Italiane beteiligt.
Seit der Privatisierung unter Ministerpräsident Romano Prodi im Jahr 1997 hat TIM zahlreiche Herausforderungen erlebt, darunter häufige Eigentümerwechsel und hohe Schuldenlasten. In den letzten vier Jahren gelang es Pietro Labriola, dem Chef von Telecom, das Unternehmen zu stabilisieren, unter anderem durch den Verkauf des Telefonnetzes an KKR.
Post-Chef Matteo Del Fante betonte die Bedeutung der Übernahme für die technologische Unabhängigkeit Italiens und die Stärkung seiner Wettbewerbsfähigkeit. Der Zusammenschluss soll Synergien von jährlich rund 700 Millionen Euro erzielen, wobei etwa 500 Millionen durch Kosteneinsparungen und 200 Millionen durch zusätzliche Erlöse generiert werden sollen.
Die Übernahme von TIM durch Poste Italiane ist Teil der «Melonomics», einer Politik der Regierung unter Giorgia Meloni, die seit drei Jahren gezielt staatlich beeinflusste Unternehmen nutzt, um strategische Vermögenswerte zu kontrollieren. Diese Strategie zielt darauf ab, kritische Infrastrukturen vor ausländischen Übernahmen zu schützen und nationale Interessen zu wahren.